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ChorsuNach den eher spartanischen Unterkünften in den Bergen und im Ferganatal gönnten wir uns in Taschkent ein Gasthaus in der Nähe von Chorsu - dem großen Basar. Von den Selbstmordanschlägen von Ende März 2004 war überhaupt nichts zu spüren. Die Menschen waren emsig und gingen ihren Geschäften nach. Ich glaube, ich habe noch nirgendwo so große Erdbeeren gesehen, wie hier auf dem Basar. Überhaupt musste man schon lange überlegen, um nicht zu viele leckere Früchte einzukaufen.

Taschkent hat sicher nicht das Flair von Buchara oder Samarkand, ist aber trotzdem eine sehr interessante Stadt.

 


Barak Khan Medrese
Leider gibt es in Taschkent nicht sehr viele historische Gebäude. Die meisten wurden durch das schwere Erdbeben vom 26. April 1966 zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte dann eher im sozialistischen Betonstil. Aber einige alte Bauwerke gibt es trotzdem noch. Dazu gehört, nicht weit vom Basar entfernt, die Barak Khan Medrese (16. Jh.), Sitz des Mufti von Usbekistan, dem islamischen Oberhaupt der Republik. Direkt gegenüber befindet sich die Tellya Sheikh Moschee. In deren Bibliothek befindet sich der angeblich älteste Koran der Welt aus dem Jahr 655. Er wurde von Timur nach Samarkand gebracht und befand sich lange Jahre in St. Petersburg.

 


Oliy MajlisDie Mischung aus Tradition und Moderne wird gut am Baustil des Parlamentsgebäudes (Oliy Majlis) sichtbar. In dem daneben liegenden wunderschönen Park befindet sich u.a. ein Denkmal für Alisher Navoi (1441-1501), dem "usbekischen Goethe". Hier legen oft frisch vermählte Brautpaare ihre Blumen nieder.

Fernsehturm 

 

 

 

 


Wir hatten den Tipp bekommen, dass man im Alisher Navoi Opern- und Balletttheater besonders preiswert tolle Aufführungen erleben kann. Aber dass es so billig ist, hätten wir nicht für möglich gehalten. Für unglaubliche 1,50 $ besuchten wir das Ballett "Spartakus" von Aram Chatschaturjan. Das gefiel uns so gut, dass wir gleich am nächsten Abend noch "Trubadour" von Giuseppe Verdi nachlegten. Schon allein das Gebäude und seine Einrichtung ist sehenswert.

Den Abend verbrachten wir in Taschkent oft auf dem "Broadway", Vergnügungsmeile und Treffpunkt der Jugend der Hauptstadt.

Am letzten Tag machten wir noch einen Abstecher in den Vergnügungspark "Aquapark" im Norden nahe dem Fernsehturm und mussten uns danach wohl oder übel damit abfinden, dieses wunderbare Land in Richtung Moskau verlassen zu müssen.


Info

Taschkent hat etwa 2,3 Millionen Einwohner und ist durchaus mit einer europäischen Großstadt vergleichbar. Günstigstes Fortbewegungsmittel in der Stadt ist die Metro (10 Cent). Achtung: Die Polizei in Taschkent hat nicht den besten Ruf. Vor allem männliche Ausländer werden in der Metro oft kontrolliert. Die Masche ist immer wieder die gleiche. Ich habe es selbst erlebt. Erst wird nach dem Reisepass gefragt, dann wird der Rucksack gecheckt. Dann kommt die entscheidende Frage, ob man Valuta dabei hat. Niemals das Geld aus der Hand geben! Man bekommt garantiert nicht alles zurück. Die Polizei hat nicht das Recht, die Geldbörse zu kontrollieren. Auf meinen Hinweis hin, ich müsste mein Geld nur beim Zoll an der Grenze vorzeigen, durften wir wieder gehen. Sollten irgendwelche Gebühren verlangt werden, sollte man immer eine Quittung ("Kvitanzia") verlangen.

An Unterkünften wurde mir oft das Hotel Tara empfohlen (angeblich 2,50 $ pro Nacht). Wir entschieden uns aber für Gulnaras Guest House in der Nähe des Chorsu und waren von den Zimmern und der Gastfreundlichkeit von Gulnara und ihrer Familie sofort eingenommen. Das Haus ist nicht so einfach zu finden, es ist von außen nicht als Hotel erkennbar.

Tipp: Gulnaras Guest House, 40 Akademik Khalim Usmonkhuzhaev (Russisch: Azad Street), direkt hinter dem Basar, Ü/F für 15 $, Email: gulnara@globalnet.uz


© 2004 Kay Estler