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Khudayar Khan PalastUm ins Ferganatal zu gelangen, mussten wir zunächst zurück nach Taschkent. Dort ließen wir uns gleich an einem Platz absetzen, auf dem es nur so von Taxis wimmelte. Kaum hatten wir erzählt, dass wir nach Kokand wollten, hatten wir auch schon eine Traube Taxifahrer um uns herum, die über den Preis für eine Fahrt verhandeln wollten. Wir wussten, dass eine Tour etwa 5 $ pro Person kosten würde und waren schon überrascht, mit welchen utopischen Preisen begonnen wurde zu verhandeln. Schließlich fanden wir aber einen Fahrer, der uns mit seinem Daewoo Tico nach Kokand fahren wollte. Da die Straße ins Ferganatal neu gebaut ist bzw. noch wird, gestaltete sich die Fahrt über den Gebirgspass auch nicht so sehr zum Abenteuer, wie wir es befürchtet hatten.

Frau auf Markt in Kokand

 

In Kokand angekommen, begann die Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Auch hier mussten wir unsere Ansprüche etwas nach unten schrauben. Das Hotel "Kokand" (6 $) war ziemlich abgewirtschaftet. Aber außer diesem gab es nur noch das Hotel "Chimik" (5 $), was nur einen unwesentlich besseren Eindruck machte, für das wir uns letztlich aber entschieden. Leider lief im 1. Stock trotz Zusicherung nur selten fließendes (kaltes) Wasser, so dass wir im Erdgeschoss duschen mussten. Dafür drückten wir aber den Preis erfolgreich auf 3 $. Kein guter Start für Kokand.

Kokand gilt als die "Stadt der Winde", hat 175.000 Einwohner und war lange Hauptstadt des gleichnamigen machtvollen Khanats. Besonders beeindruckend ist der Khudayar Khan Palast (1863-73), der ein Gegenstück zum Ark in Buchara darstellen sollte.

Wie überall in Usbekistan ist es auch in Kokand sehr interessant, über den Basar zu schlendern. Ich war immer wieder von den vergoldeten Zahnreihen der Frauen fasziniert, die ein Zeichen für Reichtum darstellen sollen.gekochte Kokons

 

 

 

Ein besonderes Erlebnis hatten wir in einem Teehaus in Kokand, als wir einen 16 Jahre alten Brief ins Russische übersetzen sollten, den ein Mädchen aus Artern im Jahr 1988 an ihren Brieffreund in Kokand geschrieben hatte.

Von  Kokand unternahmen wir einen Ausflug in die Yodgorlik Seidenfabrik nach Margilan, wo wir auf traditionelle Weise den Prozess der Seidenproduktion verfolgen konnten.

 

Keramikfabrik in RishtanEin Farmer erhält zunächst etwa 20 g Larven, die in den Monaten April und Mai in speziellen Boxen gehalten werden. Diese 20 g Larven verspeisen am Anfang 3 kg Blätter der Maulbeerbäume pro Tag. Nach einer Schlafphase folgt eine Wachphase mit noch größerem Hunger. Nach einem Monat haben die Larven die Größe eines kleinen Fingers erreicht und fressen 300 kg Blätter pro Tag. Danach erfolgt ein abrupter Stopp und die Raupen spinnen sich etwa eine Woche lang in ihren Kokon ein. Die Kokons werden an die Fabriken verkauft, wobei Preise von 1-2 $ pro kg erzielt werden. Einige Würmer werden für die Nachzucht verwendet. Die Kokons werden im Wasser gekocht. Ein 3-4 cm langer Kokon bringt etwa 1 km Faden hervor. Insgesamt werden in Usbekistan etwa 30.000 t Kokons pro Jahr produziert.

Auf der Rückfahrt nach Kokand legten wir einen Zwischenhalt in Rishtan ein. Wir hatten schon in Buchara gehört, dass in diesem Ort die einzigartigen Keramiken hergestellt werden, die durch ihre leuchtenden blauen und grünen Farben berühmt wurden. Wir konnten uns bei einer kurzen Führung von dem Geschick der Arbeiter überzeugen. Auch hier mussten wir hören, dass in der Fabrik nur noch 180 von ursprünglich 3.000 Arbeitern beschäftigt sind.

Info

Ins Fergantal fährt im Moment von Taschkent aus weder ein Bus noch ein Zug. Das beste Fortbewegungsmittel ist deshalb das Taxi. Mit Hotels sieht es ebenfalls nicht sehr rosig aus. Es soll in Kokand aber noch ein privates B&B geben. Hier lohnt sich die Nachfrage bei der Leiterin des Khudayar Khan Palastes. Wir haben leider erst zu spät davon erfahren. Ansonsten soll es nur noch in der Stadt Fergana ein Hotel geben, das aber verhältnismäßig teuer sein soll.


© 2004 Kay Estler