Cuernos bei SonnenaufgangBeim Blick aus dem Zelt am nächsten Morgen war klar, dass auch der 4. Tag schönes Wetter bringen würde. Keine Wolke war zu sehen und die Sonne tauchte die Cuernos in ein kräftiges Orange. Gegen 8.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zu unserer Königsetappe über 20 km zu den Torres del Paine. Langsam schwanden die Cuernos aus unserem Blickfeld. Aber an einer Stelle konnten wir noch einmal besonders schön die Schwünge in den Übergängen zwischen den Hörnern bewundern. Nach 2 h mussten wir einen Fluss überqueren. Wegen der warmen Witterung führte er viel Gletscherwasser mit sich. Deshalb dauerte es eine Weile, bis wir eine geeignete Stelle fanden, um ihn mit einigen gewagten Sprüngen über rutschige Steine zu überqueren.

 

CuernosDie Sonne brannte jetzt ziemlich heftig und es ging immer steiler bergan zum Camp Chileno. Zum Glück konnte man unterwegs an den vielen Bächen seine Wasserflasche immer wieder auffüllen. Gegen 13.20 Uhr hatten wir dann das Camp Chileno erreicht, wo wir uns erst einmal mit einem Sandwich stärkten. Anschließend wanderten wir weiter am Río Ascencio entlang und mussten dann noch einmal einen Fluss durchqueren. Diesmal half aber alles nichts. Wir mussten durch das eiskalte und kniehohe Wasser durch. Immer weiter ging es durch den Wald nach oben, bis wir ziemlich erschöpft gegen 15.45 Uhr am Campamento Torres ankamen.

 

Torres Del Paine

 

Jetzt wollten wir natürlich auch noch die Torres sehen, denn die waren noch durch einen Schotterhang verdeckt. Den mussten wir erst noch überwinden, bevor wir 45 min später ein beeindruckendes Panorama bestaunen konnten. Da standen sie und trotzten jeder Witterung: der 2.850 m hohe Torre Sur oder Torre De Agostini, der 2.800 m hohe Torre Central und der Torre Norte (2.600 m) oder Torre Monzino. Nach einer Weile machten uns dann an den Abstieg, denn wir wollten ja morgen zum Sonnenaufgang wieder nach oben kommen.

In der Nacht fegte ein kräftiger Wind durchs Camp, der auch ein paar Regentropfen mit sich brachte. Als gegen 5 Uhr der Wecker klingelte, war der Spuk aber vorbei. Mit einer Stirnlampe bewaffnet machten wir uns voller Optimismus auf den steinigen Weg nach oben. Die Torres waren wolkenfrei, also sollte es mit dem Sonnenaufgang klappen. Zusammen mit etwa 10 weiteren Neugierigen suchten wir uns eine windgeschützte Ecke und warteten ab. Die prognostizierte Sonnenaufgangszeit von 6.30 Uhr war bereits lange vorbei, aber keine Sonne zu sehen. Wieder mal war sie im Osten in den Wolken hängengeblieben. Enttäuscht machten wir uns gegen 7.30 Uhr an den Abstieg. Wir sind keine 10 min auf dem Weg nach unten, da schiebt sie sich an den Wolken vorbei und strahlt die Türme an. Nur, zu dem Zeitpunkt ragte nur noch eine Felsspitze über den Schotterhang hinaus. Wir waren schon zu weit unten. Man kann eben nicht immer Glück haben.

Hängebrücke
Nach einem kurzen Frühstück und dem Abbau des Zeltes marschierten wir kurz vor 10 Uhr los. Der Abstieg zur Hosteria Torres stand an. Kein Vergleich zum Vortag. Der Abstieg ging locker und leicht voran. Wir stellten uns schon wieder auf die Flussdurchquerung ein und waren um so mehr überrascht, als wir einfach über die im Fluss liegenden Steine laufen konnten. Über Nacht war das Wasser stark zurückgegangen. Am Camp Chileno vorbei erreichten wir schon gegen 12 Uhr die Hosteria Torres. Mit einem der Shuttle Busse fuhren wir anschließend zum Parkeingang an der Laguna Amarga. Kurz vor 15 Uhr bestiegen wir schließlich den Bus nach Puerto Natales, wo wir zwar erschöpft, aber voller unvergesslicher Eindrücke gegen 17 Uhr ankamen.



© 2005 Kay Estler