Gletscher Perito MorenoNach der ganzen Anstrengung tat uns etwas Entspannung gut. Da kamen die Gletscher im Nationalpark Los Glaciares gerade recht. Zunächst ging es zum Perito Moreno, dem vielleicht berühmtesten Gletscher überhaupt. Er ist einer der wenigen weltweit, die noch wachsen. Außerdem liegt er so günstig, dass seine Zunge von der unmittelbar gegenüber liegenden Magellan-Halbinsel bestaunt werden kann. Der Perito Moreno ist 30 km lang, 5 km breit und bis zu 60 m hoch. Der Schub beträgt in der Mitte etwa 2 m pro Tag, außen immerhin noch 35 cm.

Alle paar Jahre kann man hier ein faszinierendes Schauspiel erleben. Durch seinen Vortrieb versperrt der Gletscher den Fluss des Brazo Rico, eines Seitenarms des Lago Argentino.

Gletscher Spegazzini
Dadurch steigt der Wasserspiegel des Brazo Rico um bis zu 18 m an. Gleichzeitig nimmt natürlich auch der Druck auf den Gletscher zu. Er wird ausgehöhlt, so dass sich ein langer Eistunnel bildet. Irgendwann wird der Druck jedoch so groß, dass die ganze Konstruktion zusammenbricht. Nach 16jähriger Wartezeit war das zuletzt im März 2004 der Fall, als 15.000 Zuschauer Zeuge der so genannten Ruptura wurden. Innerhalb von drei Tagen brachen immer mehr Teile ab, bis auch das letzte große Stück mit mörderischem Getöse ins Wasser stürzte. Seitdem ist die Gletscherspitze wieder etwas vom Ufer entfernt. Aber ich konnte erkennen, dass sich bereits eine neue Brücke bildet. Die nächste Ruptura kommt bestimmt.

Da man von Gletschern nie genug bekommen kann, buchten wir für den nächsten Tag eine Tagestour mit dem Boot zu den Gletschern Spegazzini und Upsala (im Calafate Hostel für 210 ARS im Paket mit der Tour zum Perito Moreno zu bekommen).

Eisberg als Brücke

 

 

 

 

 

Der Spegazzini Gletscher ist 25 km lang und nur 1,5 km breit, dafür aber zwischen 80 und 135 m hoch. Als wir mit dem Schiff ganz nah an die Wand heranfuhren, bekamen wir in etwa eine Vorstellung von der Höhe.


 

Eisberg am Upsala GletscherAuf dem Weg zum Upsala Gletscher kamen wir an gigantischen Eisbergen vorbei, die unser Schiff deutlich überragten. Es fehlten nur noch die Pinguine und ich hätte mich wie in der Antarktis gefühlt. Der Upsala ist nach der schwedischen Stadt benannt, deren Universität im Jahr 1908 eine Expedition zur Vermessung der Gegend sponserte. Der Gletscher ist stolze 60 km lang, 5-7 km breit und 60-80 m hoch. Dabei reicht der Gletscher 130 m tief ins Wasser hinein. Anders als der Perito Moreno bricht der Upsala nicht lokal, sondern an der ganzen Front ab. Dies ist auch der Grund dafür, warum so große Eisberge im Wasser treiben. Der Gletscher hebt sich nach und nach aus dem Wasser heraus, so dass sich neue Schmelzkanten bilden. Sind 6 Schmelzkanten erkennbar, so ist dies ein sicheres Zeichen für einen baldigen Abbruch.

Die Eisberge schillern oft in den verschiedensten Farbvariationen. Da ist weißes Eis, das seine Farbe durch Lufteinschlüsse bekommt. Die kleinen Bläschen reflektieren dabei das Licht. Ist das Eis einem höheren Druck ausgesetzt, z.B. unter der Wasseroberfläche, so entsteht kompaktes Eis, welches kaum Luft enthält und sich durch eine blaue Farbe auszeichnet. Je größer der Druck, dem das Eis ausgesetzt war und je öfter es auftaute und wieder gefror, desto dunkler das Blau. Da sich die Eisberge durch Abschmelzen und Gewichtsverlagerung oft drehen, kommt dieses dunkle Eis dann an die Oberfläche.

EisbergEisbergEisberg

 

 

 

 

 



© 2005 Kay Estler