Fitz Roy (3.405 m) und Cerro PoincenotAuch der zweite Tag brachte strahlenden Sonnenschein. Nach 1 h Wanderung verschwand der Cerro Torre langsam aus unserem Blickfeld. Aber es sollte nicht lange dauern, bis der nächste Gigant sichtbar wurde: der Fitz Roy. Wie magisch wurden wir von ihm angezogen und schlugen schließlich gegen Mittag am Campamanto Poincenot unser Zelt auf, fast mit freiem Blick auf die Bergkette. Nach einer kurzen Stärkung machten wir uns vorbei am Camp Rio Blanco, dem Basislager für den Fitz Roy, an den Aufstieg zur Laguna de los Tres, einem kleinen Bergsee direkt unterhalb des Fitz Roy. Wir hatten zwar nur wenig Gepäck bei diesem Ausflug dabei, waren aber trotzdem ziemlich geschlaucht, als wir da oben ankamen. Dafür wurden wir mit einem faszinierenden Blick auf Berg, Gletscher und die benachbarte türkisfarbene Laguna Sucia belohnt. Der Abstieg ging dann fast schon von allein.

Waren am Cerro Torre noch einige Wolken im Weg, so erlebten wir am Fitz Roy am nächsten Tag fast den perfekten Sonnenaufgang. Zwar war die Sonne zunächst noch etwas in den Wolken versteckt, aber kurze Zeit später strahlte die ganze Bergkette in leuchtendem Orange. Ein absolut faszinierendes Erlebnis!

Am dritten Tag wurde der Weg etwas beschwerlicher. Über Schotter ging es am Flussbett des Río Blanco entlang. Nach kurzer Zeit kamen wir am Gletscher Piedras Blancas vorbei, wo wir eine Weile nach einer günstigen Gelegenheit suchten, um dessen Abfluss zu überqueren. Danach wurde das Terrain etwas besser und wir tauchten in einen Südbuchenwald ein. Als wir am Nachmittag an der Piedra del Fraile und dem Refugio Los Troncos ankamen, gönnten wir uns die erste warme Dusche nach 3 Tagen.

Sonnenaufgang am Fitz Roy

Nordseite des Fitz RoyDer Morgen des letzten Tages begrüßte uns mit einem klaren Blick auf die Nordwand des Fitz Roy. Der längste Tagesabschnitt mit knapp 25 km lag vor uns. Jetzt bekamen wir auch das erste Mal einen Eindruck vom patagonischen Wind. Er fegte mit einer derartigen Geschwindigkeit über die Steppe, dass wir wie betrunken durch die Gegend taumelten und mehrfach unseren Basecaps hinterher rennen mussten.

Zum Mittag genossen wir in der Hosteria El Pilar bei Kaffee und Kuchen den Blick auf den Fitz Roy. Anschließend ging es auf der Ostseite des Río Blanco zurück zum Camp Poincenot und von dort über die Laguna Capri schließlich nach El Chaltén, wo wir am Abend nach einer fantastischen Trekkingtour total erschöpft in die Koje fielen.
 

PferdeInfo

Der Fitz Roy ist 3.405 m hoch und nach dem Kapitän von Darwins Forschungsschiff Beagle benannt. In Tehuelche heißt er El Chaltén, der Rauchende. Er ist nur unwesentlich leichter zu besteigen als der Cerro Torre, was nicht nur an der Steilwand, sondern auch an den unbeständigen Wetterbedingungen liegt. Die Erstbesteigung gelang 1952 einer französischen Expedition unter Lionel Terray und Guido Magnone. Die benachbarte Felsnadel Cerro Poincenot (3.076 m) ist nach dem französischen Bergsteiger Jacques Poincenot benannt, der als Expeditionsmitglied im Río Fitz Roy ertrank. Die angrenzenden Gipfel tragen die Namen von französischen Luftfahrtpionieren: Saint-Exupery (“Der kleine Prinz”), Mermoz und Guillaumet.


© 2005 Kay Estler