Ushuaia - Fin del MundoTierra del Fuego - Feuerland. Bei dem Feuer soll es sich um die Lagerfeuer der Indianer gehandelt haben, die Magellan und seine Crew vom Schiff aus erblickten. Angeblich sahen sie aber nur Rauch und nannten das Land Tierra del Humo - Land des Rauchs. Der König Karl V. habe aber erklärt, es gebe keinen Rauch ohne Feuer und änderte den Namen (vgl. dazu Bruce Chatwin “In Patagonien”, Kapitel 53).

Von Punta Arenas ist es zwar mit der Fähre nur eine relativ kurze Überfahrt nach Porvenir auf Feuerland. Die Fernbusse nach Ushuaia (20.000 CLP) benutzen jedoch meistens den Umweg über Punta Delgada im Osten. So kamen wir auf teilweise staubiger Straße und nach längerer Grenzabfertgung an der argentinischen Grenze bei San Sebastian schließlich nach 11 Stunden in Ushuaia an.

PresidioDa waren wir nun, in der südlichsten Stadt der Welt. Aber auch darüber gibt es einen kleinen Streit zwischen Argentinien und Chile. Denn noch etwas südlicher auf der anderen Seite des Beagle-Kanals liegt Puerto Williams, ein chilenischer Militärstützpunkt. Man hat sich inzwischen wohl so geeinigt, dass Ushuaia die südlichste Stadt und Puerto Williams der südlichste Ort ist...

Ushuaia selbst ist eine sehr schöne und bunte Stadt, die ziemlich rasant wächst. Derzeit leben hier etwa 50.000 Einwohner. Die Stadt wurde 1884 gegründet, als der Missionar Thomas Bridges hier seine Mission errichtete. Ushuaia machte sich vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Presidio, sein berüchtigtes Gefängnis, einen Namen. Hier waren bis 1947 nicht nur Gewaltverbrecher, sondern auch viele politische Gefangene inhaftiert. Die Gefängnisanlage ist sehr beeindruckend und kann heute besichtigt werden. Daneben beherbergt sie auch noch das Museo Maritimo mit vielen Exponaten zur Geschichte der Seefahrt in der Region. Fast noch lohnenswerter ist das Museo del Fin del Mundo, welches die Geschichte der Stadt, der Missionen, der Indianer und der vielen Schiffswracks um Ushuaia erzählt.

windgebeutelter BaumDa ein Ausflug von Ushuaia zum Kap Hoorn nur sehr schwer zu organisieren ist (Kap Hoorn gehört zu Chile; es gibt keinen regulären Fährverkehr, nur teure Kreuzfahrten), wollten wir wenigstens bei einem Bootstour auf dem Beagle-Kanal (145 Pesos mit Rumbo Sur) etwas Meeresluft schnuppern. An den Küsten um Ushuaia konnten wir uns an den stark geneigten Bäumen von den Kräften überzeugen, mit denen der Wind hier langfegt. Vorbei an kleinen Inseln mit Kormoranen, Seehunden und Seelöwen passierten wir auch eine Insel mit Pinguinen. Unter den etwa 7.000 Magellanpnguinen befanden sich auch 26 Eselspinguine (Gentoo bzw. Papua-Pinguine). Diese werden 50-60 cm groß, wiegen 5-7 kg und erreichen ein Alter von bis zu 18 Jahren.

Eselspinguin

 

Ziel des Ausflugs war die Estancia Haberton. Hier ließ sich 1886 der Missionar Thomas Bridges nieder. Das Land dafür bekam er vom argentinischen Präsidenten Roca für seine Arbeit unter der indigenen Urbevölkerung und bei der Rettung von Schiffbrüchigen geschenkt. Thomas Bridges beschäftigte sich intensiv mit der Sprache und Kultur der Indianer, besonders der Yámana. Als erster brachte er ein Wörterbuch Yámana-Englisch heraus. Bridges’ Sohn Lucas setzte seine Arbeit unter den Indianern fort. Seine 1947 veröffentlichten Memoiren “The Uttermost Part of the Earth” (leider nur vereinzelt antiquarisch in Englisch erhältlich) schildern das tragische Schicksal der Ureinwohner.

Um Ushuaia bieten sich ausgezeichnete Möglichkeiten für kürzere und längere Wanderungen. Wir nahmen die Seilbahn zum Cerro Martial nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt. Dort oben konnte man zum gleichnamigen Gletscher laufen und einen imponierenden Blick auf den Beagle-Kanal werfen.

Mich hätte es ja sehr gereizt, noch eine Tour in die Antarktis anzuschließen. Denn Ushuaia ist dafür der ideale Ausgangspunkt. Allerdings ist das eine kostspielige Angelegenheit und erfordert viel Zeit. Es soll ja dann auch nicht nur so sein, dass man dort anschlägt und gleich wieder zurück muss. Südgeorgien, die Südorkneys und die Südshetlands wären schon ein Traum. In den Reiseagenturen kostete das Last Minute Angebot für 12 Tage zur antarktischen Halbinsel im Schnitt 2.500 $. Irgendwann bestimmt einmal...


© 2005 Kay Estler