WolkenspielVon Bariloche schnappten wir uns ein Flugzeug in den Süden nach El Calafate (450 ARS). Wir waren schon überrascht, dass wir den Flug trotz Hauptsaison ohne weiteres einen Tag vor Abflug buchen konnten. Schon während des Fluges hatten wir einen tollen Blick auf die Andengipfel. Nach einer Übernachtung in Calafate ging es mit dem Bus über 5 h teilweise bei schlechten Straßenverhältnissen in das 220 km entfernte El Chaltén (90 ARS return). Faszinierend an der Busfahrt war vor allem, dass wir bei strahlendem Sonnenschein direkt auf den Cerro Torre und den Fitz Roy zusteuerten und die Berge aus immer neue Perspektiven genießen konnten.

Chaltén heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer ‘Vulkan’ oder ‘der Rauchende’, offenbar eine Anspielung auf den bei Sonnenaufgang leuchtend rot angestrahlten Fitz Roy.

Blick auf Cerro Torre und Fitz Roy

 

 

 

 

 

 


Am späten Abend wurden wir dann Zeuge eines unglaublichen Schauspiels. Am Himmel waren so genannte Linsenwolken (
Altocumulus Lenticularis) aufgezogen, eine Wolkenart, die manchmal bei föhnartigen Wetterbedingungen im Gebirge beobachtet werden kann. Die Wolken bildeten dabei Formen, die ich nie zuvor gesehen hatte. In meiner Fantasie zog ich Vergleiche mit Zigarren, Wirbeln und UFOs. Als kurze Zeit später die Sonne unterging, kam noch etwas Farbe ins Spiel. Ich konnte den Finger kaum noch vom Abzug der Kamera nehmen.

Trekking Karte um Cerro Torre und Fitz RoyAm nächsten Morgen stand dann die erste Trekkingtour an. Über 4 Tage sollte es von El Chaltén zunächst zum Fuß des Cerro Torre, anschließend zum Fitz Roy und weiter durchs Tal des Rio Electrico nach Piedra del Fraile und schließlich wieder zurück nach El Chaltén gehen. Wir besorgten uns ausreichend Lebensmittel und packten den Rucksack. Immerhin kamen knapp 20 kg Gepäck zusammen. Dann ging es los. Wiederum hatten wir absolutes Glück mit dem Wetter. Die Sonne lachte und auf der 3,5-stündigen Wanderung zur Laguna Torre konnte ich kaum den Blick von den Felsnadeln der Berggruppe um den Cerro Torre nehmen. Nach der Ankunft bauten wir unser Zelt im Campamento de Agostini auf und erkundeten nach einer kurzen Stärkung die Umgebung um die Laguna Torre.
Tags darauf wollten wir unbedingt den Sonnenaufgang am Cerro Torre erleben. Leider waren die Spitzen in Wolken gehüllt. Aber trotzdem bildeten die rötlich schimmernden Felsen ein beeindruckendes Panorama.

Cerro Torre (3.128 m)Info

Der Cerro Torre mit seinen 3.128 m Höhe gilt in der Bergsteigerwelt als einer der anspruchsvollsten Gipfel überhaupt. Er wurde angeblich 1959 das erste Mal durch den Italiener Cesare Maestri und den Österreicher Toni Egger bestiegen. ‘Angeblich’ deshalb, weil sich um diese Besteigung viele Mythen ranken. Egger kam beim Abstieg in einer Lawine ums Leben und Maestri irrte mehrere Tage fast dem Wahnsinn nahe durch die Gegend, bevor er aufgefunden wurde. Die Kamera, die die Besteigung beweisen könnte, soll sich bei Egger befunden haben, wurde aber nie gefunden. Die gewählte Route, mit der Maestri den Gipfel erklommen haben will, wurde bis heute nicht wiederholt. Um seinen Erfolg zu beweisen, kehrte Maestri 1970 zurück und bestieg den Cerro Torre auf einer anderen Route. Allerdings verwendete er dabei einen Kompressor, mit dessen Hilfe er Löcher für die Haken in die Wand bohrte. Dies zerstörte endgültig seinen Ruf als seriösen Bergsteiger. Seine Erstbesteigung konnte er damit nicht beweisen, vielmehr waren die Skeptiker nunmehr erst recht von deren Scheitern überzeugt.

Tipps

Zur Planung der Trekkingtouren kann ich folgende Bücher empfehlen:

  • Trekking Guide Patagonien von Ralf Gantzhorn, Bruckmann Verlag, München (2007), Preis: 18,90 €
  • Lonely Planet: Trekking in the Patagonian Andes von Carolyn McCarthy, 4. Auflage (2009), Preis: 14,40 €


© 2005 Kay Estler