Casa RosadaNach 17 h im superbequemen Nachtbus von Puerto Madryn (120 ARS) lag nun leider schon die letzte Etappe der Reise vor uns: Buenos Aires.

Schwierig war es zunächst, sich auf die Hitze einzustellen. Nach den eher gemäßigten patagonischen Temperaturen kletterte das Thermometer hier auf bis zu 30 °C. Trotzdem machten wir uns sofort mit der U-Bahn auf ins Zentrum.

An der Plaza de Mayo fiel uns zunächst die rosafarbene Casa Rosada auf, der Sitz der argentinischen Regierung. Die Farbe Rosa geht auf den früheren Präsidenten Sarmiento zurück, der damit die Einheit der Nation zwischen den Föderalisten (rot) und Unionisten (weiß) beschwor.

Platte Eva PeronAn der Plaza de Mayo findet übrigens seit 1970 jeden Donnerstag eine Demonstration der Mütter der Plaza de Mayo für ihre während der Militärdiktatur verschwundenen Kinder statt.

Die berühmteste Frau der argentinischen Geschichte ist sicher Eva Perón (1919-1952), die zweite Frau des früheren Präsidenten Juan Perón. Ihr Grab kann auf dem Friedhof von Recoleta besichtigt werden. Es liegt etwas versteckt im Grabmal der Familie Duarte. Hier drängeln sich meist viele Menschen, um ein Bronzeschild zu fotografieren oder um Blumen am Gitter zu befestigen.

Tango Lesson

 

 

Was wäre Buenos Aires ohne Tango? Überall in der Stadt begegnet man Menschen, die ihr Können vorführen oder gegen einen kleinen Obolus ihre Dienste für ein kleines Tänzchen anbieten. Und die Verehrung für Carlos Gardel (1890-1935), den berühmten Tangosänger, der tragischerweise bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, kennt immer noch keine Grenzen.

Einer der berühmtesten Stadtteile von Buenos Aires ist sicher La Boca. Hier am alten Hafen ließen sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts viele Einwanderer, vor allem Genueser, nieder. Ihre Häuser bemalten sie nach alter Tradition mit bunten Farben. Besonders schön sind die Häuser in El Caminito, dem “Tangogässchen”. Allerdings sollte man die Gegend nachts meiden.

El Caminito

 

 

 

 


Was wäre La Boca ohne Fußball? Schließlich steht hier eine der berühmtesten Fußballarenen der Welt: La Bombonera, die Pralinenschachtel (Fassungsvermögen 57.395 Zuschauer), Heimat der
Boca Juniors. Und wirklich, das Stadion erinnert mit seiner eigenartigen Tribüne auf der einen Längsseite von oben an eine aufgeklappte Pralinenschachtel. Hier spielte 1981 der größte Held, den der argentinische Fußball hervorgebracht hat: Diego Armando Maradona. Die Verehrung für El Diego kennt auch heute noch keine Grenzen. Die VIP-Kabine direkt über der Mittellinie wurde zunächst für 10 Jahre an Maradona vermietet, wurde ihm aber inzwischen wegen seiner Verdienste für die Boca Juniors auf Lebenszeit überlassen.

Leider war es uns nicht vergönnt, ein Heimspiel der Boca Juniors oder des Stadtrivalen River Plate live mitzuerleben. Wir hatten unseren Besuch in Buenos Aires leider nicht mit dem Spielplan der argentinischen Liga abgestimmt. Um aber nicht ganz auf das Erlebnis Stadion zu verzichten, buchten wir bei Tangol eine Tour zu beiden Stadien (90 ARS). Es war schon ein tolles Erlebnis, den Rasen des WM-Finales von 1978 zu betreten, eine ‘Pressekonferenz’ zu geben und die Geschichte der Boca Juniors mit den unzähligen Pokalen im vereinseigenen Museum zu bestaunen.

PressekonferenzLa Bombonera

 

 

 

 

 

 

 

 

Da es aber nicht sein kann, dass man in Argentinien nicht live beim Fussball war, besuchten wir schließlich ein Meisterschaftsspiel von Independiente (mit Trainer César Lius Menotti) sowie ein Spiel der Copa Libertadores (südamerikanische Champions League) zwischen Banfield und Alianza Lima. Dabei war es schon ein Abenteuer, mit dem überfüllten Stadtbus durch halb Buenos Aires in den Vorort Banfield zu fahren und dann auch noch das Stadion zu finden...

So ging der Urlaub langsam dem Ende zu. Nach einer Tagestour mit der Fähre über den Río de la Plata in die alte Kolonialstadt Colonia del Sacramento in Uruguay und einem gemütlichen Abend mit Bier und Asado auf der Terrasse des Hostels stand am nächsten Tag schon der Rückflug nach Berlin auf dem Programm.

Info

1580 gegründet, erlebte Buenos Aires seinen Aufschwung seit 1776, als es Hauptstadt des Vizekönigreichs La Plata wurde. Im Zentrum der Stadt leben 3 Millionen Einwohner, im Ballungsraum stolze 13,4 Millionen. Benannt ist Buenos Aires übrigens nicht nach der guten Luft, sondern nach der Schutzheiligen der Seefahrer Santa Maria del Buen Aire.

An Übernachtungsmöglichkeiten besteht kein Mangel. Allerdings füllen sich die Hostels in der Hauptsaison sehr schnell. Ich kann das Gardenhouse Hostel wärmstens empfehlen.


© 2005 Kay Estler