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RiesenschildkröteWir fliegen mit TAME von Quito aus zunächst nach Guayaquil. Nach einem kurzen Tankstopp hebt die Maschine kurz darauf ab in Richtung Isla Baltra auf Galápagos. Nachdem wir mit der Fähre nach Santa Cruz übergesetzt haben, fahren wir mit dem Bus weiter nach Puerto Ayora, dem größten Ort auf den Inseln. Die Suche nach einem preiswerten Hotel ist schnell abgeschlossen und wir wollen gleich der Darwin-Forschungsstation einen Besuch abstatten. Hier werden die Galápagos-Riesenschildkröten gezüchtet.

Nach der jahrhundertelangen Ausbeutung durch Freibeuter und Walfänger waren die Riesenschildkröten Anfang des 20. Jh. fast ausgerottet. 1965 wurde deshalb in der Forschungsstation ein Nachzuchtprogramm in Angriff genommen. Die Tiere bleiben dabei zunächst in den Zuchtgehegen und werden später auf ihren Herkunftsinseln ausgewildert.

Kopf einer RiesenschildkröteInsgesamt gibt es 14 verschiedene Unterarten, von denen leider 3 ausgestorben sind. Teilweise gibt es nur ein überlebendes Tier dieser Unterarten, wie den berühmten "Lonesome George", den man in der Forschungsstation besichtigen kann.

Bei den Riesenschildkröten haben sich zwei verschiedene Typen entwickelt. Die Tiere auf den trockenen und flachen Inseln, die mit extrem hohen Temperaturen klarkommen müssen, haben sogenannte Sattelpanzer sowie längere Beine und ein geringeres Gewicht. Die Bewohner der größeren Inseln, auf denen mehr Nahrung zu finden ist und wo in den Hochländern niedrigere Temperaturen herrschen, zeichnen sich dagegen durch runde Panzer und ein hohes Gewicht aus. Einzelne Exemplare erreichen dabei bis zu 350 kg.

Die Tiere haben uns wahnsinnig beeindruckt. Wir beschließen, am nächsten Tag ins Hochland von Santa Cruz zu fahren, um die Riesenschildkröten bei Santa Rosa in freier Wildbahn bestaunen zu können. Als wir abends in Puerto Ayora in einem Freiluftrestaurant einen Cocktail zu Musik à la Buena Vista Social Club schlürfen, fühle ich mich bei den warmen Temperaturen wie in der Karibik.

BegattungsversucheMit dem Bus fahren wir am nächsten Tag nach Santa Rosa, wo wir Mühe haben, den im Reiseführer beschriebenen Pfad zum Reservat El Chato zu finden. Bei großer Hitze kämpfen wir uns mühevoll 1,5 h durch dorniges Gestrüpp und hohes messerscharfes Gras, bis wir im Reservat ankommen und feststellen, dass wir auch eine neu angelegte Straße hätten benutzen können. Aber die Anstrengung wird sofort belohnt. Riesenschildkröte

 

 

 

 


In einer Schlammpfütze beobachten wir ein Pärchen bei Begattungsversuchen. Die Panzer krachen aufeinander und das Männchen gibt dabei ein lautes Stöhnen von sich. Bei genauerem Hinsehen bemerken wir, dass das Männchen von der falschen Seite aufgestiegen ist. Hm, ich wusste ja bisher nichts über die Sexualpraktiken bei Schildkröten...

Bei unserem Rundgang durch das Reservat begegnen uns viele dieser Riesenexemplare. Ich komme mit Fotografieren kaum hinterher.

Auf dem Rückweg nach Puerto Ayora machen wir in Bellavista halt, um einen Lavatunnel zu besichtigen. Hier flossen nach Vulkanausbrüchen die Lavamassen unterirdisch ab. Mit einer Taschenlampe bewaffnet klettern wir in die auf einem Privatgelände gelegene Höhle hinab und wandern etwa 45 min in gespenstischer Ruhe durch den imposanten Tunnel.
 


© 2003 - 2004 Kay Estler