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Guagua PichinchaNach dem Aufenthalt in Höhen bis zu 4.000 m fühlten wir uns jetzt fit, die nächste Etappe, nämlich die Besteigung einiger Andenberge, in Angriff zu nehmen. So heimlich träumten wir davon, bei optimalem Verlauf den Cotopaxi (5.897 m) zu besteigen. Zur Akklimatisierung hatten wir uns zunächst den Guagua Pichincha ausgesucht, einen 4.784 m hohen Vulkan bei Quito, der bei seinem plötzlichen Ausbruch am 7. April 1999 ganz Quito in Angst und Schrecken versetzte.

Gletscher am Cotopaxi

 

 

 

 

Mit dem Bus ging es zunächst in das Dorf Lloa auf 3.060 m Höhe. Von hier wanderten wir langsam einen Weg bergauf. Wir hatten das Glück, dass wir zweimal ein ganzes Stück mit dem Auto mitgenommen wurden, denn ansonsten hätten wir den Trip nicht an einem Tag geschafft. Die letzten 250 Höhenmeter vom Refugio zum Gipfel waren dann die Hölle. Bei ständig wechselndem Wetter, erst Sonne, dann Regen, Graupel und Schneesturm, kämpften wir uns einen sandigen Hang hinauf, ohne den Gipfel in den Wolken zu erkennen. Ich musste meinen inneren Schweinehund stark bekämpfen, um nicht umzukehren. Und da wollte ich vom Cotopaxi träumen, der nochmal über 1.000 m höher liegt? Der Dämpfer kam zur rechten Zeit. Der Cotopaxi muss wohl noch warten. Erschöpft kamen wir oben an. Bei strömendem Regen benötigten wir 4 Stunden für den Rückmarsch nach Lloa.

Gletscher

 

 

 

Wenn wir schon nicht ganz auf den Cotopaxi hochkommen, so wollten wir uns zumindest einen Eindruck von dem Berg verschaffen. Bisher war uns wetterbedingt leider auch kein Blick auf den Vulkankegel möglich gewesen. Wir lassen uns mit  dem Auto bis zum Parkplatz auf 4.500 m Höhe fahren und wandern anschließend bis zum Refugio auf 4.810 m. Auch hier schneit es und die Sicht ist schlecht. Aber trotzdem fühlen wir uns gut, steigen noch etwas höher und genießen den Blick auf den Gletscher. 

 

Iliniza Norte (5.126 m)Jetzt waren wir fit, um die Besteigung unseres ersten Fünftausenders in Angriff zu nehmen. Ziel war der 5.126 m hohe Iliniza Norte. In Latacunga besorgten wir uns für 80 $ p.P. einen Bergführer und fuhren zum Parkplatz La Virgen auf 3.900 m Höhe hinauf. Erstmals tauchten die beiden Ilinizas aus den Wolken auf und gaben ihre Gipfel frei. Der 5.263 m hohe Iliniza Sur ist vergletschert, meist in den Wolken und nur für erfahrene Kletterer geeignet. Der Iliniza Norte dagegen erfordert außer etwas Höhenanpassung nur Schwindelfreiheit und Trittfestigkeit.

Kurz vor 9 Uhr brechen wir vom Parkplatz auf. Unser Führer legt ein Höllentempo vor, so dass ich kaum folgen kann.

 

GipfelfotoNach kurzer Zeit habe ich mich etwas an das Tempo gewöhnt. Der Pfad ist sandig, aber gut begehbar. Nur knapp 2 Stunden später kommen wir an der Hütte auf dem Sattel zwischen den Ilinizas auf 4.750 m an. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber jetzt wird mir klar, dass wir unheimlich gut drauf sind. Wir erholen uns etwa eine halbe Stunde und nehmen dann den Gipfel in Angriff. Zunächst geht es seitlich am Hang und dann auf dem Kamm entlang, bevor wir vor einer 25 m hohen Mauer stehen. Hier müssen wir einige Meter absteigen. Auf dem 'Paso de la Muerte', dem Todesweg, geht es weiter nach oben. Die letzten 100 Höhenmeter geht es dann nur noch kletternd vorwärts. Das Gelände ist nicht sehr schwierig, aber wir merken doch die Höhe und die Anstrengung. Umso glücklicher sind wir, als wir gegen 13.15 Uhr den Gipfel erreichen. Was für ein Gefühl! Nach 20 Minuten machen wir uns an den Abstieg, der mehr zur Rutschpartie wird, weil wir uns auf direktem Weg den steilen Schotterhang hinunterbegeben. 15.30 Uhr kommen wir wieder am Parkplatz an und sind einfach nur glücklich.


© 2003 - 2004 Kay Estler