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Los UrosBei Kasani überqueren wir die Grenze nach Peru und fahren mit dem Bus weiter nach Puno. Nach einem Ausflug zu den Grabtürmen von Sillustani steht am nächsten Morgen eine Bootstour zu den Uro-Inseln und nach Taquile auf dem Programm. Die schwimmenden Schilfinseln sind leider sehr touristisch geworden. Früher lebte das Volk der Uro ständig auf den Inseln und bestritt dort seinen kargen Lebensunterhalt. Inzwischen sind die Uro aber ausgestorben und die Inseln werden von Mestizen bewohnt, die hauptsächlich vom Tourismus und vom Fischfang leben. Immer wieder kommt es zu Überschwemmungen, bei denen einige Inseln zerstört werden. Die Bewohner gehören mit zu den ärmsten Bevölkerungsschichten Perus.

 

Totora-Boot

Die Inseln sind aus Totora-Schilf gebaut, das auch als Nahrungsmittel dient. Zunächst werden die Wurzeln zu großen Blöcken zusammengebunden. Darauf werden dann die zu Bündeln zusammengebundenen Schilfrohre in mehreren Schichten aufeinandergestapelt, bis eine Tiefe von etwa 80 cm erreicht wird. Wenn man über die Insel läuft, kommt man sich vor wie auf einem Wasserbett.

Wie die Inseln werden auch die berühmten Totora-Boote gebaut, indem das Schilfrohr zu großen Bündeln gebunden und anschließend verschnürt wird.

Strickender Mann

 

 

Strickende Frauen


Nach Los Uros geht die Bootsfahrt weiter nach Taquile, einer 5 km langen Insel im Titicacasee. Die 1.400 Bewohner leben hier in einer Gemeinschaft, die sich noch an den Traditionen aus der Inkazeit ausrichtet. Die Insel wurde damals einem spanischen Kolonialherren zugeschlagen, der die Einwohner in ihren Traditionen weiter leben ließ. Nach einem anstrengenden Fußmarsch über 530 Stufen bergauf gelangen wir auf die Plaza Principal, den Hauptplatz der Insel. Unterwegs begegneten uns schon immer wieder strickende Männer, die an den berühmten langen Zipfelmützen strickten. Nach Tradition der Taquileños stricken die Männer die Festkleidung für die Frauen und umgekehrt. An den Farben der Mützen kann man u.a. erkennen, wer noch Single oder schon verheiratet ist oder ob es sich z.B. um ein Kind zwischen 5 und 10 Jahren oder vielleicht um ein Mitglied des Ältestenrates handelt. Die Mützen und anderen Webarbeiten sind auf Taquile allerdings viel teurer als in Puno oder Cusco. Dafür geht der Erlös aber in die Gemeinschaftskasse.

Kathedrale in CuscoEin eindrucksvolles Erlebnis ist eine Zugfahrt von Puno nach Cusco. Der Zug fährt insgesamt 10 Stunden und zunächst am Titicacasee entlang, Über den Markt in Juliaca, schwingt sich dann hinauf auf einen 4.300 m hohen Pass, um sich anschließend vorbei an schneebedeckten Bergen wieder hinab bis nach Cusco zu bewegen. Der Zug ist inzwischen nur Touristen vorbehalten, so dass die Sicherheit im Zug absolut kein Problem mehr ist. Es gibt Tickets in der Touristenklasse für 12 $ bzw. in der 1.Klasse für 50 $.

Die alte Inkahauptstadt Cusco ist für mich eine der schönsten Städte, die ich bisher gesehen habe. Besonders interessant ist das Zusammenspiel von Inka- und Kolonialarchitektur. Ein besonders imposantes Bauwerk ist die Kathedrale an der Plaza de Armas.

12-eckiger SteinNachdem viele Kolonialgebäude die immer wieder vorkommenden Erdbeben nicht überstanden, die Inkamauern diesen jedoch erfolgreich trotzten, bauten die Spanier viele Gebäude einfach auf die Inkagrundmauern.

Markttreiben in Pisaq 

 

 

 

 

 

Es ist einfach unglaublich, mit welcher Genauigkeit die Inka die Steinblöcke fugenlos zusammenfügten. Jeder Versuch, eine Münze zwischen die Blöcke zu stecken, ist zum Scheitern verurteilt. Eines  der schönsten Beispiele ist der zwölfeckige Stein in der Calle Hatunrumiyoc.

In und um Cusco benötigt man schon einige Tage, um zumindest die wesentlichsten Sehenswürdigkeiten bewundern zu können. Sehr imposant ist die über der Stadt thronende Festungsanlage Saqsaywamán, in der 9 x 5 x 4 m große und 350 t schwere Steine verarbeitet wurden. Es ist fast unvorstellbar, wie diese Steine bewegt wurden, da die Inka das Rad noch nicht kannten.

Einen Ausflug sollte man auf jeden Fall ins Valle Sagrado de los Incas, das heilige Tal der Inkas, unternehmen. Neben dem Markt in Pisaq ist vor allem die Tempelburg Ollantaytambo sehenswert.


@ 2002 - 2004 Kay Estler