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La PazLa Paz ist die größte Stadt und Sitz der Regierung Boliviens. Einschließlich der Vorstadt El Alto leben hier etwa 1,8 Mio. Menschen. Das Stadtzentrum liegt etwa auf 3.100 m Höhe. Die Häuser schlängeln sich dann die Hänge hinauf bis nach El Alto auf 4.100 m Höhe. Entsprechend nimmt mit steigender Höhe auch die Armut zu. So wie die Häuser teilweise in den Hang gebaut sind, ist es kein Wunder, dass Überschwemmungen und Erdrutsche immer wieder Tote fordern. Hinter der Stadt thront majestätisch der Illimani (6.439 m). In La Paz gibt es einiges zu entdecken. Sehenswert ist die Zaubergasse Calle Linares, in der neben verschiedenen Hexenpulvern auch getrocknete Lamaföten angeboten werden. Sehr zu empfehlen ist auch das Coca-Museum, in dem man viel interessantes über die Geschichte der Cocapflanze erfahren kann. Mancher Tourist lässt sich auch die Gefängnisstadt San Pedro nicht entgehen, in der die Gefangenen mit ihren Familien leben, frei herumlaufen sowie eigene Geschäfte und Restaurants betreiben.

YungasEines der größten Abenteuer, die man von La Paz aus unternehmen kann, ist eine Fahrt mit dem Mountain Bike hinab in die Yungas. Dazu muss man wissen, dass die Yunga Road offiziell die gefährlichste Straße der Welt ist. Durchschnittlich alle zwei Wochen stürzt ein LKW den teilweise mehrere hundert Meter tiefen Abgrund hinunter. Die Straße ist mitunter so schmal, dass die LKWs und Busse etwas rangieren müssen, um aneinander vorbei zu kommen. An einigen Stellen regelt ein Mann mit grünen und roten Fahnen den Verkehr. Bei unserer Abfahrt kamen wir an einer Stelle vorbei, wo zwei Tage vorher ein LKW mit acht Personen abgestürzt war (Bild rechts unten). Es wurden jedoch glücklicherweise alle gerettet und mit einem Seil den Hang hinaufgezogen.


AbsturzstelleDie Tour startet mit einer Busfahrt zum 4.700 m hohen La Cumbre Pass. Hier wird die Biker-Ausrüstung angelegt und anschließend beginnt die Abfahrt zunächst auf gut asphaltierter Straße vorbei an Schneefeldern hinab bis auf 3.000 m Höhe. Nach einem kurzen Stück bergauf endet dann auch die schöne Straße und es beginnt auf holpriger Strecke die halsbrecherische Abfahrt durch den Nebelwald in die Yungas. Es herrscht Linksverkehr, damit der Fahrer immer sehen kann, wie weit er noch vom Abgrund entfernt ist. Zur Zeit wird eine neue Straße gebaut, die viel sicherer sein soll, aber das Fahrvergnügen schmälern wird. Nach einiger Zeit schmerzen die Handballen vom vielen Bremsen und man ist entweder eingestaubt oder mit Schlamm bespritzt. Unter Wasserfällen hindurch schlängelt sich die Straße weiter hinunter in den Regenwald. Es ist beeindruckend, wie sich unterwegs die Vegetation ändert und immer dichter wird. Inzwischen ist es ziemlich heiß geworden und die Luft ist sehr feucht. Kurz vor dem Ziel in Puente Yolosa (1.250 m) fliegt eine Schar Papageien über unsere Köpfe und die Coca-PflanzeBananenstauden zeigen an, dass wir endgültig in den Tropen angekommen sind. Wahnsinn! Innerhalb von 5½ Stunden sind wir fast 3.500 m bergab gefahren und fertig auf den Knochen. Anschließend geht es noch mit dem Bus wieder etwas hinauf bis nach Coroíco, dem Herz der Nordyungas.

Die Tour ist m.E. viel ungefährlicher als eine Abfahrt mit einem großen Bus. Mit dem Fahrrad kann man bei eventuellen Gefahrensituationen immer anhalten und hat mehr Platz zum Ausweichen. Ich hatte auch bei der Auffahrt mit dem Bus mehr Respekt als vor der Abfahrt mit dem Rad. Den Trip in die Yungas bieten verschiedene Veranstalter in La Paz an. Wir hatten sehr gute Räder und können unseren Anbieter Explorama Tours sehr empfehlen. Der Spaß kostet 30 $ pro Person.

Einmal in Coroíco angekommen, sollte man wenigstens noch einen Tag in der herrlichen Umgebung verbringen. Dafür bietet sich ein Ausflug nach Tocoña an. In diesem Dorf leben die Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven, die nach Bolivien gebracht wurden, um im Silberbergbau zu arbeiten. Es stellt sich jedoch heraus, dass sie in der Höhe nicht so leistungsfähig waren. Deshalb setzte man sie u.a. in den Yungas in der Landwirtschaft ein. In Tocoña kann man neben vielen verschiedenen Obstsorten auch Coca-Plantagen sehen. Die Pflanze wird hier ganz legal angebaut, da die getrockneten Blätter später zum Kauen oder für Tee verwendet werden. Coca-Tee schmeckt nicht nur gut, sondern unterstützt die Anpassung an die ungewohnte Höhe.


@ 2002 - 2004 Kay Estler