Eintrag

Startpunkt bei Km 82Wenn man schon in Cusco ist, möchte man natürlich auch gern den berühmten Inkatrail absolvieren. Im südamerikanischen Winter ist der Trail allerdings sehr überlaufen. Deshalb waren wir sehr froh, im Mai hier zu sein, wenn noch nicht so viele Touris unterwegs sind, die Regenzeit vorüber ist und alles grünt. Wir hatten natürlich vorher auch einen gehörigen Respekt vor der anstrengenden viertägigen Wanderung. Zunächst mussten wir jedoch in Cusco einen Veranstalter finden, mit dem wir die Tour unternehmen konnten, denn es gibt nur noch geführte Wanderungen auf dem Inkatrail. Um so schockierter waren wir, als wir erfuhren, dass der ganze Spaß so um die 200 $ kosten sollte. Einige Reisebüros bieten den Trail auch schon für 170 $ an, aber man sollte immer die eingeschlossenen Leistungen vergleichen und sich am besten von seinem Gefühl leiten lassen, welchen Anbieter man am besten findet. Handeln lohnt sich immer. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten. Dazu kam noch unser Führer, ein Koch und 8 Träger. Unsere persönlichen Sachen sowie die Isomatte und den Schlafsack trugen wir selbst. Es war trotzdem ein komisches Gefühl, als die Träger mit den ganzen Sachen an uns vorbeizogen, um vor uns am Hängebrücke am UrubambaEtappenziel zu sein. Dort bereiteten sie immer das Essen und bauten die Zelte auf. Das Essen war absolut ecker und wir konnten trotz reichlichen Energieverbrauchs kaum alles aufessen.

Doch der Reihe nach. Am ersten Tag stehen wir um 4 Uhr auf und werden gegen 5 Uhr vom Hotel in Cusco abgeholt. Mit dem Bus geht es bis zum Km 82 der Bahnlinie von Cusco nach Machu Picchu. Nach einem ausgiebigen Frühstück setzen wir uns auf einer Höhe

Zeltplatz Yuncaychimpa

von 2.650 m in Bewegung. 45 km liegen insgesamt vor
uns. Nachdem wir uns an der Hängebrücke registrieren ließen, überqueren wir den Urubamba und laufen noch eine Weile am Fluss entlang, bevor es langsam etwas bergauf geht. Kurz vor Mittag sehen wir unter uns die Inkafestung Willcaraqay und haben einen schönen Blick über das Urubamba-Tal. Der Anstieg geht weiter bis auf 3.000 m Höhe, wo wir Wayllabamba, das letzte Dorf auf der Strecke, passieren. Der Weg wird immer steiler, aber gegen 16 Uhr erreichen wir unser Tagesziel, den Zeltplatz in Yuncaychimpa auf 3.300 m Höhe. 10,5 km haben wir am ersten Tag zurückgelegt und trotz einiger Anstrengung ist die Laune sehr gut. Kaum angekommen erwarten uns im Essenszelt schon frisch zubereitetes Popcorn und Blätterteig.


Pass der toten Frau
Die Nacht wird ziemlich kalt. Als wir gegen 6 Uhr aufstehen, zeigt das Thermometer 3 °C. Das Aufstehen wird uns erleichtert, weil wir mit einer Tasse heißem Coca-Tee am Zelt geweckt werden. Wenn ich mich umdrehe und den Berg hinaufsehe, komme ich jetzt schon ins Schwitzen. 900 Höhenmeter steiler Aufstieg bis auf 4.200 m liegen vor uns. In dem Moment wird uns auch klar, warum unser Zwischenziel Pass der toten Frau heißt. Nicht dass hier regelmäßig Frauen vor Anstrengung umkippen. Nein! Die Silhouette auf dem Kamm erinnert an eine auf dem Rücken liegende Frau. Der Aufstieg ist anstrengend und es ist schwer, immer im richtigen Rhythmus zu atmen. Die teilweise bis zu einen halben Meter hohen Stufen machen die Sache auch nicht gerade leichter. Unterwegs kommen wir an einer Lamaherde vorbei und schließlich erreichen wir gegen 10.30 Uhr den Gipfel. Jetzt haben wir das schwierigste Stück des Trails geschafft.

LamasAllerdings müssen wir zunächst noch wieder 600 Höhenmeter nach unten, bevor wir unser Mittagessen einnehmen können. Nach einer kurzen Pause geht es dann noch mal steil bergauf, an den Ruinen von Runkuraq'ay vorbei über den gleichnamigen Pass
(3.900 m) und anschließend wieder nach unten zur Festung Sayaqmarca ('unzugängliche Stadt'). Diese Anlage liegt auf einem Felsvorsprung und ermöglichte den Inka die Überwachung der herrlichen Umgebung. Jetzt haben wir es fast geschafft und der Zeltplatz Chaquicocha (3.530 m) ist schon in Sichtweite. Das letzte Wegstück ist besonders schön, da wir an vielen Blumen wie Orchideen und Frauenschuh vorbeikommen und der Weg durch den moosbewachsenen Regenwald sehr schön ausgebaut ist. Es muss eine wahnsinnige Arbeit gewesen sein, diesen Weg durch den dichten Wald anzulegen. Wir sind jedenfalls ganz schön geschafft, aber auch etwas stolz, den so schwierigen zweiten Tag so gut überstanden zu haben.

WiñaywaynaDie zweite Nacht ist mit 5 °C nicht ganz so kalt. Vor und liegt noch ein kleiner Anstieg zum letzten Pass in 3.680 m Höhe, das sollte nach den letzten Tagen locker zu machen sein. Wir passieren einen 12 m langen Tunnel. Offenbar war es auf dem felsigen Untergrund einfacher, einen Tunnel anzulegen, als das Gestein abzutragen. Auf dem Pass Phuyupatamarca ('Stadt über den Wolken') fühlen wir uns vor lauter Nebel allerdings wie in einer Waschküche, so dass von den gleichnamigen Ruinen kaum etwas zu sehen ist. Unser Führer wählt einen etwas weniger begangen Weg bergab, von dem wir den herrlichen Blick auf die Ruinen von Wiñaywayna ('für immer jung') und Intipata ('Sonnenterrasse') genießen. Diese Anlagen dienten der Versorgung von Machu Picchu mit Lebensmitteln.


NebelBei Ausgrabungen fand man Hinweise auf Getreide,
Mais, Erdnüsse, Coca und Baumwolle. Am Nachmittag können wir bereits einen ersten Blick auf Machu Picchu erhaschen, obwohl der Großteil der Stadt noch von den umliegenden Bergen verdeckt ist. Wir erkunden die Ruinen von Wiñaywayna und Intipata und die erste Dusche nach 3 Tagen ist einfach ein Hochgenuss. Jetzt sind wir nicht mehr weit von Machu Picchu entfernt und nur noch auf 2.750 m Höhe. Entsprechend warm wird die Nacht mit 15 °C.

Am nächsten Morgen heißt es, schon gegen 4 Uhr aufzustehen, denn wir wollen ja am Intipunku ('Sonnentor') den Sonnenaufgang über Machu Picchu erleben. Als wir gegen 6.30 Uhr das Intipunku erreichen, sehen wir außer einer Menge Leute und dichtem Nebel zunächst gar nichts. Sollte uns ausgerechnet am letzten Tag das Glück verlassen? Der Nebel zieht zwar etwas auf, aber so richtig will uns ein Postkartenfoto von Machu Picchu nicht gelingen. Zu allem Überfluss fängt es später auch noch an zu regnen. Bleibt noch etwas Zeit, sich über die Geschichte von Machu Picchu ('alter Berg') zu informieren. Wegen seiner Unzugänglichkeit blieb die Stadt, die wahrscheinlich 500 bis 600 Menschen beherbergte, den Spaniern verborgen und wurde erst im Jahr 1911 von dem Amerikaner Hiram Bingham wiederentdeckt. Angeblich fand er jedoch keinerlei Goldschätze. Es gilt jedoch fast als gesichert, dass Bingham die Stadt bereits vorher besucht hatte und vollbeladen mit Kisten wieder verlassen hat.Stadt Machu Picchu mit Berg Wayna Picchu

Der Nebel lichtet sich schließlich doch für einen Augenblick und wir kommen doch noch zu unserem Foto. Als letzte Anstrengung meistern wir bei strömendem Regen noch den Aufstieg zum Wayna Picchu. Auch hier zieht der Nebel für einen kurzen Moment auf und gibt den Blick auf die Inkastadt frei.

Nach einem Rundgang durch die Stadt fahren wir mit dem Bus den Berg hinunter nach Aguas Calientes, von wo es gegen 16 Uhr mit dem Zug zurück nach Cusco geht. Nach 5 h Zugfahrt und einem kurzen Schläfchen kommen wir zwar erschöpft, aber voller unvergesslicher Eindrücke wieder in Cusco an.
 

 


@ 2002 - 2004 Kay Estler