Indonesien

Wolken hinter BergenWir müssen an der Grenzstation eine ganze Weile warten, bis die chinesischen Soldaten sich bemüßigen. die Grenzformalitäten abzuwickeln und unser Gepäck zu kontrollieren. Es klappt alles ohne größere Probleme. Die richtige Visakontrolle soll aber erst in Purang stattfinden. Als unsere Jeeps eintreffen, kann es endlich losgehen. Neben einem chinesisch-tibetischen Guide begleitet uns jetzt zunächst auch ein chinesischer Soldat. Der hat aber nichts besseres zu tun, als auf dem Beifahrersitz zu schlafen.

Als erstes besichtigen wir das über 1000 Jahre alte Kloster Korqia nahe der Grenze. Der schläfrige Soldat weist uns darauf hin, dass das Fotografieren hier verboten sei. Auf dem weiteren Weg nach Purang bestaunen wir eine malerische Bergkette an der tibetisch-nepalesischen Grenze. Hinter einer Kurve taucht plötzlich der Gurla Mandhata (7.728 m) auf, der weibliche Gegenpol zum Kailash.

BergketteAls wir uns in Purang in ein Café setzen, um die weiteren Visaformalitäten abzuwarten, gibt es plötzlich ein Problem. Zwei chinesische Offiziere besuchen uns und erklären, dass ein Mitglied unserer Gruppe leider nicht weiterreisen dürfe und umkehren müsse. Wir kippen fast vom Stuhl. Der chinesische Botschaft in Kathmandu, die die Visa ausgestellt hat, sind bei ihm zwei Fehler unterlaufen. Zum einen hat sie seinen Namen falsch geschrieben und zum anderen stimmt die Passnummer auf dem Visum nicht mit dem Reisepass überein. Statt ...55... steht da ...33.... Wir weisen höflich darauf hin, dass nicht wir diesen Fehler gemacht haben, sondern die chinesische Botschaft. Erfolglos. Wir müssten das beweisen. Uns schwillt immer mehr der Kamm. Die eh’ schon sehr reservierte Haltung gegenüber chinesischen Offiziellen schlägt langsam in starke Abneigung um. Es kostet uns eine Ewigkeit und die Überredungskünste unseres Guides, ehe schließlich unsere Trekkingerlaubnis für den Kailash, die die richtigen Daten enthält, als Nachweis anerkannt wird. Uns fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Das ging noch mal gut! In so einem Moment kann der große Traum am seidenen Faden hängen.

Kailash durch YakhornDas neue Hotel “Pulan”, das offenbar noch gar nicht eröffnet ist, entschädigt uns für die viele Aufregung mit einer warmen Dusche und einem faszinierenden Blick auf den Sonnenuntergang.

Entlang einer staubigen Piste und an vielen Baustellen vorbei fahren wir am nächsten Morgen immer stetig bergan, bis wir in 4.700 m Höhe den Gurla La Pass erreichen. Der Pass ist nicht nur mit Yakhörnern und vielen bunten Gebetsfahnen geschmückt, sondern gibt auch den ersten Blick auf den Kailash frei.

Nur ein paar Fahrminuten weiter stockt uns fast der Atem bei dem Anblick, der sich uns nun bietet: rechts der Gurla Mandhata und auf der linken Seite liegt der tiefblaue, spiegelglatte See Rakshas Tal, der düstere Gegenpart des Manasarovar. Dahinter erhebt sich der heilige Berg Kailash (6.714 m) wie aus dem nichts.

Kailash und Raksas TalDas Gefühl in diesem Moment kann man nicht beschreiben. Man versinkt einfach in dem grandiosen Naturensemble und wünscht, dass es nie vorbeigehen möge.

Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Manasarovar-See, dessen helles Blau uns ebenso in den Bann zieht. Einige nutzen die Gelegenheit zu einem Bad in dem kalten Wasser, die Anderen genießen einfach die Ruhe und das Panorama.

Wir steigen einen kleinen Hang hinauf und besuchen das Kloster Gossul Gompa. Es wurde wie so viele andere Klöster während der chinesischen Invasion zerstört und später wiederaufgebaut. Der Blick von hier oben über den Mansarovar setzt allem die Krone auf.
 

Rad des Dharma und ManasarovarGossul Gompa

 

 

 

 

 

 

 

 

Chiu Gompa und KailashUm die Atmosphäre noch besser genießen zu können, wandern wir etwa 5 km am See entlang, den Kailash immer vor Augen. Unser Zeltcamp steht heute fast direkt am See. Mal sehen, wie wir die Übernachtung in 4.600 m Höhe verkraften.

Zum Ausklang des Tages unternehmen wir einen Ausflug zum Kloster Chiu Gompa. Zum Aufstieg auf den Klosterhügel fehlt uns zwar die Energie, aber wir können hier den Sonnenuntergang beobachten und das berühmte Foto mit Kailash und Chiu Gompa schießen. Der Manasarovar hat sich inzwischen dunkelblau gefärbt, das Ufer tieforange.

In Gedanken bin ich schon beim anstehenden Höhepunkt der Reise, der Umrundung des Kailash.
 

Sonnenaufgang am Gurla Mandhata (7.728 m)Info

Der 4.560 m hoch gelegene und 330 km² große Manasarovar See (Mapam Yum Tso – „See der Unbesiegbarkeit“) steht für den Geist bzw. das Bewusstsein, während der etwas höhere Rakshas Tal für die Kraft der Finsternis bzw. das Unbewusste steht. Seine runde Gestalt symbolisiert die Sonne, die sichelhafte des Rakshas Tal den Mond. Beide Seen sind durch einen Kanal, Ganga Chu, verbunden. Für die Hindus ist der Manasarovar ein Werk ihres Gottes Brahma. Während die Buddhisten das Wasser des Manasarovar lediglich zum Trinken nehmen, ist den Hindus das Bad im See heilig. Nach seinem Tod wurde hier auch ein Teil der Asche von Mahatma Gandhi verstreut. Als heilig gilt auch die 110 km lange Kora, also die Umrundung des Manasarovar, die aber wegen des sumpfigen Untergrundes hauptsächlich im Winter unternommen wird.

Links
  • Der Manasarovar-See und der Kailash bei emmet.de
  • Manasarovar bei Wikipedia

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