Indonesien

TarbocheHeute heißt es, zeitig aufzustehen. Schließlich steht die erste Etappe unserer Kora um den Kailash auf dem Programm. Von unsrem Camp am Manasarovar sind es noch fast zwei Stunden Fahrzeit bis nach Darchen, dem Startpunkt der Kora. Die „Straße“ wird gerade gebaut und ist kaum zu erkennen. Unsere Fahrer versuchen, auf der Irrfahrt über verzweigte Staubpisten den Überblick zu behalten und den Baustellenlastern auszuweichen. Dafür werden wir mit einem tollen Sonnenaufgang am Gurla Mandhata entschädigt.

Kailash

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Darchen bin ich enttäuscht, ja fast abgestoßen. Dieser Ort ist dreckig, stinkt und erstickt fast im Müll. Aber wir wollen uns hier zum Glück nicht lange aufhalten.

Kangnyi Chörten1. Etappe: Darchen (4.680 m) – Camp Dira Puk Gompa (5.070 m) – 20,6 km

Das erste Stück des Weges läuft jeder für sich allein, um sich auch mental auf den Pilgerpfad einzustimmen. Als der Kailash das erste Mal hinter den Bergen hervorlugt, haben wir Chaktsal Gang erreicht. An diesem mit Gebetsfahnen geschmückten Steinhaufen werfen sich die Gläubigen aus Verehrung vor dem Kailash das erste Mal nieder.

Kailash Westseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Auf dem weiteren Weg kann ich meine Blicke von dem nun deutlich hervortretenden Schneejuwel kaum lösen. Dieser Berg ist einfach ein Traum! Wir erreichen den etwa neun Meter hohen Fahnenmast Tarboche, der regelmäßig im Frühjahr zum Saga Dawa Fest neu aufgerichtet wird. In diesem Jahr steht er etwas schief, nicht unbedingt ein gutes Zeichen. In der Nähe, am Chörten Kangnyi, machen wir Rast und nutzen die Gelegenheit für schöne Fotos.

Rad des DharmaMit einem Blick hinauf zum Kloster Chukku Gompa treten wir ein in das Tal des Götterflusses Lha Chu. Als uns eine Herde beladener Yaks und dahinter eine deutsche Trekkinggruppe entgegen kommt, wundern wir uns über die falsche Richtung der Gruppe entgegen dem Uhrzeigersinn. Später erfahren wir, dass in der Nacht zuvor eine 45-jährige Frau gestorben ist und die Gruppe ihre Kora abgebrochen hat. Kurz hinter dem zweiten Niederwerfungspunkt mit Blick auf den Westgrat des Kailash stärken wir uns mit Tee und Nudeln in einem tibetischen Zelt.

Mittlerweile haben wir die Marke von 5.000 m überschritten. Ich spüre die Höhe und die Anstrengung des Tages deutlich. Schließlich erreichen wir unser Camp direkt unterhalb der spektakulären Nordseite des Kailash. Nach einem Aufwärmtee pilgern wir noch hinunter zum Kloster Dira Puk. Hier lassen wir uns von dem einzigartigen Panorama bezaubern.

2. Etappe: Camp Dira Puk Gompa – Camp Zutul Puk Gompa (4.810 m) – 20,4 km

Der Morgen ist ziemlich kalt, die kleinen Wasserpfützen am Camp sind gefroren. Es geht langsam aber stetig bergauf. Unterwegs begegnen wir zahlreichen tibetischen Pilgern. Am Shiva Tsal sehen wir schon von weitem die großen Berge voller Kleidung. Hier durchläuft man den symbolischen Tod und lässt sein altes Leben hinter sich. Deshalb trennt man sich gewöhnlich von einem Kleidungsstück. Andere schneiden eine Haarlocke ab oder lassen einige Blutstropfen hier. Ich entscheide mich für ein weißes T-Shirt. Weiter oben versuchen einige Pilger, sich durch das Loch im Stein der Sünde zu zwängen. Die Überlieferung sagt, dass sich zu vieler Sunden schuldig gemacht hat, wer stecken bleibt.

Camp vor Kailash NordseiteKailash und Wolke

 

 

 

 

 

 

 

 

Yak am Drölma LaDer letzte Anstieg zum Drölma La auf 5.650 m Höhe ist ordentlich steil. Ich gehe mein eigenes Tempo, während mich immer wieder voll beladene Yaks überholen. Dann ist es geschafft, wir stehen auf dem höchsten Punkt der Kora! Tinle, unser Sherpa, der eine Zeitlang Mönch in einem Kloster war, weiht unsere mitgebrachte Gebetsfahne, die wir am bereits bunt geschmückten Felsen befestigen.

Als wir beim Abstieg den türkisfarbenen Gauri Kund, den See des Mitgefühls passieren, fängt es bei heftigem Wind an zu schneien. Wir beeilen uns beim Abstieg. Plötzlich kommt die Sonne wieder heraus und begleitet uns an diesem langen Tag bis zu unserem Ziel am Kloster Zutul Puk.

 


© 2007 - 2008 Kay Estler