LilieAuf dem dreitägigen Ausflug in die Uzon Caldera begleitet uns Maxim, ein bewaffneter Ranger. Dies ist Vorschrift und irgendwie auch etwas beruhigend. Individuelle Fortbewegung ist in diesem Schutzgebiet nicht erlaubt und außerdem gibt es hier eine große Anzahl Bären.

Zunächst geht es entlang des Flusses Geysirnaya und anschließend einen Anstieg hinauf durch dicht gewachsene Sträucher. Maxim ist schon aus dem Blickfeld verschwunden, so ein Tempo legt er vor. Ich frage mich, ob er im Ernstfall mit seiner Knarre noch rechtzeitig zur Stelle sein könnte. Inzwischen hat das Terrain in rutschigen Boden und dichtes, teilweise 2 m hohes Gras gewechselt. Wir erkennen kaum noch, wo wir hintreten und sind mehr als froh, dass unser großes Gepäck nicht auf unseren Rücken lastet, sondern schon mit dem Heli zum Zielort gebracht wurde.

Dampfsäulen

 

 

 

 

Über Wiesen voller Lilien geht es weiter an einem Bach entlang. Immer wieder liegt Bärenkot am Weg und kurz später sehen wir dann auch zwei Bären vor uns. Die haben uns aber offenbar bemerkt und suchen schnell das Weite. Am späten Abend erreichen wir unsere Hütten im Gluchoy Lager. Das Gepäck ist auch da, so dass wir uns zur Feier des Tages ein Baltika-Bier genehmigen.
 

Bären und DampfAm nächsten Morgen laufen wir durch tiefes nasses Gras an einem Fluss entlang in Richtung Caldera. Das Gras sieht stellenweise aus, als wäre es mit Wolle überzogen, denn immer wieder glänzen nasse Spinnennetze im Sonnenlicht. Der Boden wird sumpfiger und am Horizont erkennen wir Dampfschleier, die über der Caldera hängen. Als wir näher kommen, wird klar, dass es sich dabei nicht um Nebel handelt, sondern um Rauchsäulen heißer Quellen. Mit schnellen Schritten durchqueren wir einen kleinen Fluss und sichten inmitten dampfender Löcher eine Bärenmutter mit ihrem Jungen. Wir erreichen den Bannoje-See, in dem man angeblich sogar baden kann. Ich finde ihn allerdings nicht sehr einladend, als ich erfahre, dass der See 30 m tief ist und die untersten 7 m aus 140°C heißem flüssigem Schwefel bestehen sollen.

Bannoje SeeNach einer kurzen Rast an einer Vulkanologen-Hütte erkunden wir weiter die Umgebung. In den Schlammlöchern ist mächtig was los. Wir müssen schon etwas aufpassen, dass wir nicht zu nah herantreten, denn die Schlammfetzen spritzen teilweise ziemlich hoch. Wir wandern noch ein Stück weiter zum malerischen Dalnoje-See. Dieser tiefblaue und klare Kratersee lädt schon eher zum Baden ein, was einige von uns sofort ausnutzen. Auf dem Rückweg animiert uns Maxim zum Angeln. Er holt einen Blinker aus der Tasche und demonstriert, wie man damit Fische fängt. Innerhalb kurzer Zeit haben wir 3 Saiblinge aus dem Fluss geholt. Aus Fisch und Lagerfeuer wird es aber leider nichts, da unsere Köchin die Teile missverständlicherweise in die Suppe schneidet. Aber auch so schmeckt der Fang ganz gut.


SchlammlochFür den nächsten Tag haben wir uns eine Wanderung in das Tal des Todes vorgenommen. Der Weg gestaltet sich als etwas beschwerlich. So müssen wir uns über nasse Wiesen mit hohem Gras und durch dichtes Gestrüpp kämpfen. Leider zieht sich auch noch der Himmel zu und Nebel kommt auf. Da sich unser Ranger immer an den umliegenden Bergen orientiert und diese allmählich im Nebel verschwinden, beschließen wir, nach nur 2,5 h Wanderung umzukehren. Auf dem Rückweg sichten wir noch einen Bären an einem Berghang, der sich aber auch ziemlich schnell aus dem Staub macht. Als wir zurück im Camp gerade mit unserem Mittagessen fertig sind, sehen wir durch das Fenster unserer Hütte, wie ein junger Bär mitten durch unser Camp spaziert.  Wir schnappen unsere Fotoausrüstung und laufen ihm in sicherer Entfernung ein Stück hinterher.

gelber Poolroter Pool

 

 

 

 

 

 

 

 


Meister Petz hat inzwischen schon den Fluss durchquert, der an unserem Lager entlang fliesst und strebt mittlerweile einen Berghang hinauf. Ganz aufgeregt kommt uns unsere Köchin Aljona entgegen, die gerade am Fluss mit dem Spülen des Geschirrs beschäftigt war und beim Anblick des Bären direkt neben ihr die Beine in die Hand genommen hat. Wo man doch nun gerade nicht weglaufen soll, wenn man einem Bären begegnet! Aber ist ja alles gut gegangen.

Dalnoje SeeAm nächsten Morgen steht der Rückmarsch ins Tal der Geysire an. Mit vollem Gepäck machen wir uns bei stärker einsetzendem Regen auf den Weg. Wir kommen zunächst ganz gut voran. Kurz vor einem Pass wird es aber auch noch neblig. Meine Brille beschlägt, so dass ich mich halb blind durch das Gelände tasten muss. Bergan ist das nicht so problematisch, aber bergab sollte man schon sehen, wo man seinen Fuß hinsetzt, noch dazu, wenn der aufgeweichte Boden förmlich unter den Füßen wegrutscht. Aber nachdem ich im hohen Gras mehrfach flach liege und meine Zehenzwischenräume eine ordentliche Spülung bekommen, ist mir ziemlich alles egal. Als wir gegen Mittag die Hütten im Tal der Geysire erreichen, ist auch dieses Abenteuer überstanden und hat sogar noch Spaß gemacht.

 

Info

Die Uzon Caldera ist ein 9 x 12 km großes Einsturzrelikt eines Vulkans, der vor etwa 40.000 Jahren durch mehrere Eruptionen zerstört wurde. In den folgenden Jahrhunderten hat sich hier aufgrund der anhaltenden hydrothermalen Aktivität eine einzigartige Symbiose aus vulkanischer Aktivität und Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. In den heißen Quellen leben die verschiedensten Algen und Bakterien und die Bären nutzen das geschützte Mikroklima mit einem großen Angebot an Beeren und Fischen. Die Uzon Caldera soll angeblich die höchste Bärendichte weltweit aufweisen.

hohes GrasDas Tal des Todes wurde 1975 entdeckt, als ein Vulkanologe und ein Angestellter des Kronotsky Naturreservats einen regelrechten Friedhof für Säugetiere, Vögel und Insekten fanden. Die Ursache für deren Tod liegt, so nehmen Forscher an, in einer tödlichen Konzentration an giftigen Gasen in fast windstillem Wetter. Die zahlreichen toten Insekten locken Vögel an, die wiederum Säugetiere wie Füchse und Bären anziehen. Die Tierkadaver bleiben im Tal des Todes lange gut erhalten, da die zersetzende Aktivität der Bakterien unterdrückt wird.

Bär

 

 

 

 

 

 

 

 

 



© 2006 Kay Estler