Insel im Schnee und MutnovskyDie Wunden sind kaum geleckt, da geht es mit unserem GAZ gleich weiter in den Süden. Ziel ist das Gebiet um die beiden Vulkane Mutnovsky (2.323 m) und Gorely (1.829 m). Schon bei der Fahrt über einen 800 m hohen Pass stellen wir fest, dass hier noch richtig viel Schnee liegt. Die Schneewände am Straßenrand werden immer höher und am Horizont ragen nur ein paar grüne Inseln aus den Schneefeldern heraus. Das bedeutet für uns, dass wir nicht sehr weit an den Mutnovsky heranfahren können. So haben unsere russischen Begleiter eine kleine Insel (etwa 50 m Durchmesser) unweit der Straße an einem zugefrorenen See für uns ausgesucht. Bei Temperaturen um 25°C bauen wir zunächst unsere Zelte auf und erfrischen uns an dem kleinen Rinnsal, das am Inselrand entlangfließt.


BlumenMutnovsky

 

 

 

 

 

 

 


So richtig können wir das gar nicht begreifen: da drückt die Sonne von oben und wir stapfen durch den Schnee. Bei einem kleinen Spaziergang zu einer etwas größeren Insel haben wir einen perfekten Blick auf den Mutnovsky, den wir in einer Wanderung am nächsten Tag erreichen wollen. Die Insel selbst ist ein reinstes Farbenmeer, denn überall blühen Tundrablumen.

SchneeüberquerungIn der Nacht kühlen die Temperaturen deutlich ab, so dass der Schnee bei unserem Abmarsch kurz vor 8 Uhr ausreichend Trittfestigkeit bietet. Den Tagesrucksack auf den Schultern marschieren wir los. Der Berg scheint gar nicht so weit entfernt und wir kommen auf dem Schnee auch gut voran, aber der Weg will einfach kein Ende nehmen. Schließlich schaffen wir es doch bis zum Eingang in den Krater und sind schon ganz gespannt, was uns dahinter erwartet.

Dampfsäule

 

 

 

 

Am Kratereingang haben sich kleine, kegelförmige Eishügel gebildet, an denen sich Sand und Asche verfangen haben. Auf dem Weg weiter in das Zentrum des Kraters hinein erblicken wir schon von weitem eine große Rauchsäule. Darüber kalbt ein kleiner Gletscher. Es zischt und brodelt an allen Ecken. Ein geeigneter Platz zum Mittag ist schnell gefunden.

Krater

 

 

 

 

 

 

Gestärkt schauen wir uns etwas genauer um. Da ist ein kleiner rötlichbrauner See. Gegenüber wirkt ein großes dampfendes Schwefelloch wie der Eingang zur Hölle. Aufmerksam spazieren wir um die Fumarolen und Blubberlöcher herum, denn ein Fehltritt würde uns sicher nicht gut bekommen.

rotbrauner SeeSchwefelloch

 

 

 

 

 

 

 


Über Schnee geht es weiter zum 2. Krater. Dieser war noch vor nicht so langer Zeit mit einem Säuresee gefüllt. Der See ist jedoch ausgelaufen, so dass wir auf das Spektakel eines in einen Säuresee kalbenden Gletschers verzichten ausgelaufener Kraterseemüssen. Aber auch so ist der Anblick faszinierend. Vorsichtig laufen wir am Steilhang entlang und ziehen uns an einem Seil zum Kraterrand hoch, von wo wir einen Blick in den 3. Krater werfen können. Hier wimmelt es nur so von dampfenden Schwefellöchern.

Es ist Zeit, den Rückweg anzutreten, denn auf uns wartet noch ein anstrengender Marsch durch den Schnee. Der ist durch die starke Sonne mittlerweile ziemlich weich geworden, so dass die Schritte jetzt mehr Kraft kosten. Aber die Aussicht auf ein schneegekühltes Baltika-Bier setzt letzte Kraftreserven frei. Völlig durchgeschwitzt erreichen wir gegen 18.30 Uhr das Camp. Das GPS bestätigt uns, dass wir heute 30 km gelaufen sind, davon bestimmt 25 km über Schnee. Nicht schlecht!
 

Info

Der Mutnovsky liegt etwa 70 km südwestlich von Petropavlovsk und ist ein komplexer bzw. zusammengesetzter Vulkan. Er besteht aus 4 sich überlappenden Stratovulkanen mit bis zu 1,3 km breiten Kratern. Der letzte große Ausbruch fand in den Jahren 1960/61 statt. Phreatische Explosionen (Dampfsprengungseruptionen) gab es im Jahr 2000.

Links

© 2006 Kay Estler