Helikopter MI-8Die letzte Woche soll noch einmal ein absoluter Höhepunkt werden. Auf den Hubschrauberflug ins Tal der Geysire habe ich mich schon lange gefreut. Nun ist es soweit. Wir begeben uns zum “Aeroport Avachinsky” bei Elizovo, wo schon einige MI-8 Hubschrauber lärmen. Nach lächerlichen Sicherheitskontrollen wird zunächst das Gepäck im hinteren Teil der Maschine verstaut, bevor die 20 Passagiere einsteigen. Als wir zum 75-minütigen Flug abheben, ist der Lärm höllisch. Wir lassen den Koryaksky und Avachinsky rechts liegen und haben einfach einen genialen Ausblick. Ob es mäandernde Flüsse oder schneebedeckte Vulkane sind, es ist fantastisch. Der Höhepunkt ist erreicht, als wir zunächst eine große Extrarunde um den Vulkan Karymsky und kurz später um den türkisfarbenen Kratersee des Maly Semyachik fliegen.

Karymsky und KarymskyseeInfo

Der Karymsky ist ein 1.486 m hoher Stratovulkan und erst ca. 6000 Jahre alt. Er liegt in einer Caldera von 5 km Durchmesser 115 km nordöstlich von Petropavlovsk. Sein Hauptkrater hat einen Durchmesser von 200 m und ist mehr als 30 m tief. Der Karymsky ist der aktivste Vulkan Kamtschatkas. Im letzten Jahrhundert gab es allein 23 Ausbrüche, seit 1996 fast ununterbrochen. Seine Eruptionen sind sehr explosiv und oft auch strombolianischen Typs. D.h., es werden periodisch große flüssige Lavafetzen hochgeschleudert, die beim Zerplatzen von Gasblasen im Magma entstehen. Die Lava des Karymsky ist so zähflüssig, dass sie meist nicht den Fuß des Vulkans erreicht.

Maly SemyachikDer Ausbruch des Karymsky von 1996 war ein ganz besonderer. Es begann mit mehreren Erdbeben am Neujahrstag. Einen Tag später startete eine Eruption am Krater, bevor wenige Stunden danach im 6 km entfernten Karymskysee eine Unterwassererupton stattfand. Diese dauerte insgesamt nur 12 bis 14 Stunden. Aber in dieser Zeit gingen über 100 Explosionen mit Tsunamiwellen von 15 m Höhe einher. Der See begann zu kochen. Die Temperaturen stiegen schnell, und der Salz- und Säuregehalt erreichte eine so hohe Konzentration, dass alles Leben im See vernichtet wurde, inklusive der extra hier angesiedelten Lachsbestände. Im Ergebnis des Ausbruchs verwandelte sich der Karymskysee von einem Frischwassergewässer in eines der größten natürlichen Reservoirs an saurem Wasser in der Welt.

Maly SemyachikDer Maly Semyachik (1.563 m), der zuletzt 1952 ausbrach,  ist eine 3 km lange Vulkankette mit 3 Kratern auf seinem Kamm. In seinem südlichen, dem Troitsky Krater, befindet sich in einer Tiefe von 170 m ein Säuresee. Die Temperatur dieses undurchsichtigen Sees, dessen Farbe manchmal zwischen grün und türkis wechselt, schwankt zwischen 27°C und 42°C. Sein Mineralisierungs-grad entspricht einer Lösung aus Schwefel- und Salzsäure mittlerer Konzentration. Der See ist etwa 500 m lang und 140 m tief. Man nimmt an, dass er das Ergebnis eines von Menschen unbemerkten Ausbruchs vor 400 Jahren ist. Bei klarem Wetter ist es möglich, in den Krater hinabzusteigen. Die ätzende Briese, die einen da unten erwartet, führt jedoch schnell zum Husten und zwingt zur zügigen Rückkehr.


Kronotsky

Auf unserem Rückflug vom Tal der Geysire ein paar Tage später nimmt unser Pilot eine andere Route am Meer entlang. Bei einer Zwischenlandung, als wir ein paar Touristen aufsammeln, haben wir deshalb noch die Gelegenheit, einen Blick auf einen der schönsten vulkanischen Riesen Kamtschatkas zu genießen: den 3.528 m hohen Kronotsky, der dem umliegenden Naturreservat seinen Namen gibt. Dieser perfekt geformte Stratovulkan brach zuletzt 1922/23 aus. Sein Gipfelkrater ist zerstört und komplett mit Lava gefüllt. Der Kronotsky liegt zwischen dem Pazifischen Ozean und dem Kronotskysee, Kamtschatkas größtem See. Seine Flanken zergliedern sich in bis zu 200 m tiefe Rillentäler.

 

Links (Karymsky)
Links (Maly Semyachik)
Links (Kronotsky)


© 2006 Kay Estler