SonnenaufgangPünktlich zum Aufstehen gegen 7 Uhr geht die Sonne am Horizont auf. Es scheint wieder ein warmer Tag zu werden. Zwar ist die Tour zum 1.829 m hohen Gorely nicht ganz so lang wie die zum Mutnovsky, aber es muss erstmal geschafft werden. Kurz vor 9 Uhr sind die Tagesrucksäcke gepackt und wir stapfen los. Die Sonne macht sich schon bemerkbar, denn der Schnee ist heute deutlich weicher als gestern. Wir wandern am Ufer des kleinen zugefrorenen Sees entlang, auf dem immer mehr Eisschollen aufbrechen. Nach einer Stunde geht es langsam bergan. Längere Abschnitte über Schnee wechseln sich mit Tundrainseln ab. Zunehmend sind die Inseln weniger bewachsen und größere Lavabrocken säumen unseren Weg.

 

GorelyAuf den Steinen merke ich wieder die Blasen an der Unterseite meiner Füße. Aber da muss man jetzt eben mal die Zähne zusammenbeißen. Über Geröll gelangen wir zum Sattel zwischen den Bergen. Nach einer kurzen Rast machen wir uns an den steilen Anstieg zum Kraterrand. Und der hat es nochmal in sich. Hier haben sich kleine Rillentäler gebildet, in denen wir versuchen hochzulaufen. Der Untergrund ist so locker und sandig, dass wir immer wieder ein kleines Stück nach unten abrutschen und kleine Steine lostreten. Als wir den Kraterrand erreichen, öffnet sich der Blick in den ersten Krater. In einem grünen See treiben kleine Eisschollen, die vom vergletscherten Rand abbrechen. Dass der ganze Abhang zum See aus Eis besteht, erkennen wir erst auf den zweiten Blick, denn er ist von einer Sand- und Lavaschicht überzogen.

KraterseeWir wandern noch etwas weiter auf dem Kraterrand entlang, bis wir schließlich gegen 12.30 Uhr den eigentlichen Gipfel des Gorely erreichen. Zeit für Mittag! Von hier haben wir einen tollen Blick über die Schneefelder ins Tal. Am Horizont ragt der 2.173 m hohe Vilyuchinsky heraus.

Nach der Rast laufen wir noch etwas weiter. Langsam kommt der zweite Krater zum Vorschein. An einer Landspitze ist Schluss. Hier geht es steil den Abhang hinunter. Unten sehen wir einen giftig grünen See. Wir lassen uns erzählen, dass es sich dabei um 10%-ige Schwefelsäure handelt. An kleinen Wölkchen am Rand des Sees erkennen wir, dass die Suppe auch noch ordentlich warm sein muss.


KraterseeEin paar Ich-und-der-See-Fotos sind schnell geschossen und kurz vor 14 Uhr machen wir uns auf den Rückweg. Zum Glück habe ich Trekkingstöcke, um etwas Belastung von den Füßen zu nehmen. Ohne die Dinger könnte ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Sobald die Schneefelder erreicht sind, läuft es sich wesentlich angenehmer. Es ergibt sich auch die Gelegenheit für einige Rutschpartien. Als wir wieder den See erreichen, ist es nur noch etwa eine Stunde. Das setzt noch einmal einen Adrenalinstoß frei. Denn nichts ist schöner, als nach der Ankunft gegen 16 Uhr ein kaltes Baltika-Bier zu genießen. Wir nutzen die Ruhe, um etwas auszuspannen. Das Thermometer zeigt 29°C im Schatten. Unglaublich, und ringsum nur Schnee!

 

SchneewandAm nächsten Morgen heißt es nach dem Frühstück zunächst, die Sachen zusammenzupacken und die Zelte abzubauen. Gegen 9.30 Uhr verlassen wir unsere Insel und fahren auf der Straße weiter in Richtung Mutnovsky. Die Schneewände am Straßenrand erreichen mittlerweile mehrere Meter Höhe. Wir haben jetzt noch die Gelegenheit, das im Jahr 2002 in Betrieb gegangene Geothermalkraftwerk (2 x 25 MW) zu besichtigen. Hier hat man das unterirdische Lavafeld des Mutnovsky an mehreren Stellen angezapft und versorgt jetzt große Teile Kamtschatkas mit Energie. Finanziert wurde das Projekt mit Krediten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Siemens baute die Maschinen. 40 Leute arbeiten hier unter modernen Arbeitsbedingungen in Schichten von 12 h und werden nach 14 Tagen abgelöst.

Info

Der 1.829 m hohe Gorely liegt etwa 65 km südlich von Petropavlovsk. Der gegenwärtige Vulkan wächst aus der Mitte einer Caldera (Durchmesser 12 km) heraus und besteht aus drei verschmolzenen Kegeln. Derzeit gibt es 11 sich überlagernde Gipfelkrater sowie 3 Flankenkrater. Der letzte große Ausbruch fand in den Jahren 1984 - 86 statt. Typisch für den Gorely sind phreatische bzw. phreatomagmatische Eruptionen, d.h., dass hier Magma mit größeren Mengen Wasser in Berührung kommt. Das siedende und sich ausdehnende Wasser sprengt schließlich die darüber liegenden Gesteinsmassen in gigantischen Dampfexplosionen weg.

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© 2006 Kay Estler