Ausbruch des SemeruWir machen uns auf den Weg zum nächsten großen Abenteuer, einer dreitägigen Trekkingtour mit Besteigung des Semeru. Der Semeru ist mit 3.676 m der höchste Vulkan Javas und gleichzeitig einer der aktivsten. Durchschnittlich alle 10 bis 30 min steigt von seinem Gipfelkrater eine Aschesäule in den Himmel. Um in das Gebiet des Bromo-Tengger-Semeru Nationalparks zu gelangen, wechseln wir in Tumpang kurz hinter Malang das Fahrzeug. Das letzte Stück bis zum Ausgangspunkt der Trekkingtour, dem Dorf Ranu Pani, geht es jetzt mit einem Jeep vorwärts.

Kinder in Ranu Pani

 

 


Unterwegs geben die Bäume auf einer Anhöhe einen ersten Blick auf den Semeru frei. Hier wollen wir einen Ausbruch beobachten, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Die Asche schießt in die Höhe und die Wolke scheint das ganze Gipfelplateau einzunehmen. Mir ist es vollkommen schleierhaft, wie wir da sicher hinauf und vor allem wieder herunter kommen wollen.

In Ranu Pani steigen wir in einer einfachen Lodge am gleichnamigen See ab und nutzen den frühen Abend, um einen Rundgang durch den 2.125 m hoch gelegenen Ort zu machen. Ranu Pani ist ein typisches Bergdorf mit netten Menschen. Die umliegenden Felder reihen sich dicht aneinander. Jeder verfügbare Platz wird ausgenutzt, um Gemüse anzubauen.Ranu Kumbolo

 

 

 


 

Zeltplatz in Kalimati

 

 

 


 

Am nächsten Morgen lernen wir unsere Begleitcrew kennen, die sich aus einigen Trägern und einem Koch zusammensetzt. Gegen 8:30 Uhr geht’s dann endlich los. Nachdem wir das Dorf hinter uns gelassen haben, geht es zunächst auf einem gepflasterten Weg in einen Wald und dort immer leicht bergan. Der majestätische Semeru zeigt sich nur gelegentlich hinter den Bergen, aber seine Ausbrüche sind immer wieder toll anzusehen. Gegen Mittag haben wir einen kleine Hütte am Ranu Kumbolo erreicht, einem ehemaligen Kratersee auf 2.400 m Höhe. Nach einem stärkenden Mittagessen geht es weiter über eine Savanne durch einen Wald. Unser Koch hat anscheinend so gut gekocht, dass ich mein Gehtempo etwas drosseln muss, so satt bin ich. Gegen 16 Uhr haben wir jedoch die Hochebene bei Kalimati (2.670 m) erreicht, auf der wir neben einigen anderen Trekkern unsere Zelte aufschlagen. Es ist hier ziemlich kalt und vor allem neblig. Erst kurz vor Sonnenuntergang erhaschen wir wieder einen Blick auf unser morgiges Ziel. Die tiefen Furchen im Kegel des Semeru lassen schon etwas erahnen, was für eine Anstrengung hier auf uns wartet.
 

SemeruAnstieg

 

 

 

 

 

 

 

 

Andi erklärt uns, warum eine Besteigung des Semeru trotz seiner starken Aktivität meist möglich ist. Sein Krater befindet sich etwas unterhalb des Gipfelplateaus auf der Südostseite. Zudem weht in den Morgenstunden oft ein konstanter Wind, der die Aschewolke von unserer Aufstiegsroute im Norden wegtreibt. Zur Sicherheit sollte man den Gipfel jedoch spätestens kurz vor Mittag wieder verlassen haben. Das hört sich ja doch ziemlich beruhigend an!

GedenktafelDie Nacht ist kalt und sehr kurz. Gegen 1 Uhr werden wir geweckt, und nach einer kleinen Stärkung setzen wir uns eine halbe Stunde später mit Stirnlampe bewaffnet in Bewegung. Zunächst geht es leicht bergab und dann durch einen Wald stetig bergan. Nach 50 min passieren wir das Camp Arcopodo (2.920 m) und 20 min später das von Khelik (3.030 m). Am Wegesrand stehen immer wieder kleine Gedenktafeln für umgekommene Menschen. Das macht die ganze Sache schon etwas unheimlich, zumal die Stirnlampe nur den vor uns liegenden Weg und die unmittelbare Umgebung ausleuchtet. Andi meint, dass es sich bei den Toten oft um Einheimische handelt, die aufgrund schlechter Ausrüstung am Berg erfroren sind. Schließlich erreichen wir die Baumgrenze auf 3.100 m. Nun wird es immer steiler.

Eruption am GipfelplateauAb jetzt bewegen wir uns auf den Rücken der Rinnen nach oben, die sich tief in den Hang des Vulkans gekerbt haben. Oft bleiben nur wenige Meter begehbarer Boden, links und rechts scheint es teilweise tief nach unten zu gehen. Der Untergrund besteht aus losem Aschesand, einen vorgegebenen Weg gibt es nicht. Ich versuche, an dem vor mir laufenden einheimischen Guide dranzubleiben. Meist schaffe ich nur 4 Schritte am Stück, dann muss ich mich kurz ausruhen. Dabei habe ich das Gefühl, die halbe Strecke wieder heruntergerutscht zu sein. In der Dunkelheit versuche ich, an der Silhouette des Vulkankegels die Steilheit abzuschätzen. Vielleicht gibt mir das einen Hinweis, wie weit es noch nach oben ist. Es wird jetzt langsam hell und zum Sonnenaufgang kurz nach 5:30 Uhr bin ich schon fast am Gipfelplateau angelangt.

Die letzten Schritte gehen fast von ganz alleine. Noch bevor wir das Plateau erreichen, schießt schon eine gewaltige Aschewolke in den Himmel. Die Landschaft hier oben könnte auch auf dem Mond sein, nichts außer Staub und ein paar Felsbrocken. Beim nächsten Ausbruch nimmt unser einheimischer Guide plötzlich die Beine in die Hand. Weiß er mehr als ich? Offenbar ist ihm der Vulkan unheimlich und er verzieht sich in sichere Entfernung. Es ist aber auch der blanke Wahnsinn und man muss schon etwas darauf vertrauen, dass man sich hier in einer sicheren Position befindet. So beachten wir auch konsequent das Warnschild, das vor einem Betreten des Gebietes um den Krater warnt. Wir erhaschen nur einen kurzen Blick auf den Kraterrand, bevor wir uns wieder zurückziehen. Die nächsten Ausbrüche nutzen wir für einige Fotoserien, bevor wir gegen 7:30 Uhr wieder absteigen.

Dangerous AreaKrater

 

 

 

 

 

 

 

Von einem richtigen Abstieg kann eigentlich gar keine Rede sein, es ist eine einzige Rutschpartie. Auf dem losen Untergrund rennen und schlittern wir regelrecht abwärts und erreichen so schon nach einer halben Stunde die Baumgrenze. Ein Blick zur Seite verdeutlicht, wie tief es doch in den Rinnen nach unten geht. Völlig eingestaubt und verdreckt erreichen wir gegen 9 Uhr unser Camp, wo wir uns erst einmal von den Strapazen erholen. Am Nachmittag wandern wir zurück zum Ranu Kumbolo, wo wir gemütlich den Nachmittag verbringen. Voller Stolz präsentiert unser Koch einen großen Fisch, den er im See gefangen hat. So ist auch das Abendessen gesichert.

Als wir am späten Vormittag des nächsten Tages wieder zurück in Ranu Pani sind, fängt es plötzlich an zu regnen. Aber das ist uns in diesem Moment total egal...

Der komplette Trek bei Google Earth:

Semeru Trek.kmz

GPS-Koordinaten (Garmin etrex Vista Cx):

Semeru Trek.gdb

(Hinweis: Der Internet Explorer versucht meistens, die “.kmz”-Datei als “.zip” zu speichern.
In diesem Fall beim Speichern einfach die Erweiterung in “.kmz” ändern oder die Datei nach dem Herunterladen umbenennen.)

Info

EruptionDer Semeru ist ein 3.676 m hoher Stratovulkan und wird von den Einheimischen auch Mahameru (“Großer Berg”) genannt. Seinen Namen trägt er nach Sumeru bzw. Meru, dem zentralen Weltberg der buddhistischen Mythologie. Der Krater des Semeru hat einen Durchmesser von ca. 500 m. Der Vulkan ist seit 1967 faktisch ununterbrochen aktiv. Die meisten seiner Ausbrüche sind von kleinen bis moderaten Eruptionen des Gipfelkraters gekennzeichnet, mit gelegentlichen Lavaströmen und größeren Eruptionen, die pyroklastische Ströme hervorrufen können, die es bis an die unteren Flanken des Vulkans schaffen. Im Jahr 1981 starben über 250 Menschen durch eine Schlammlawine, die sich die Ostflanke des Semeru hinunterstürzte.

Links
  • Global Volcanism Program - Semeru - Summary (engl.)
  • Semeru, Java, Indonesia bei volcano.oregonstate.edu (engl.)
  • SummitPost - Semeru - Climbing, Hiking & Mountaineering (engl.)
  • indahnesia.com - Volcanoes in Indonesia - Semeru (engl.)
  • Semeru Volcano bei photovolcanica.com (engl.)
  • Beschreibung einiger aktiver Vulkane von Java: Semeru
  • Semeru bei Rainer Albiez (dt./engl.)
  • Fotos vom Semeru bei volcanodiscovery.com
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    © 2008 Kay Estler