BorobodurNachdem wir bisher mit einem Jeep übers Land gefahren sind, wechseln wir jetzt das Fortbewegungsmittel. In Tasikmalaya besteigen wir einen Zug der Executive-Klasse mit dem Ziel Yogyakarta. Die Fahrt ist angenehm und bequem und bietet immer wieder tolle Blicke auf terrassenartig angelegte Reisfelder. In Yoga, wie die Stadt mit ihren 500.000 Einwohnern oft genannt wird, pulsiert das Leben. Davon überzeugen wir uns am Abend bei einer kleinen Stadtrundfahrt mit einer Fahrradrikscha.

Buddhafigur

 

 

 

Bevor mit der Besteigung des Vulkans Merapi die erste größere körperliche Herausforderung ansteht, wollen wir und noch etwas Kultur gönnen. Und davon gibt es hier reichlich. Bestes Beispiel dafür ist die 118 x 118 m große buddhistische Tempelanlage von Borobodur, die um 800 errichtet wurde. Diese neunstöckige Stufenpyramide war durch mehrere Erdbeben zerstört und verschüttet worden und wurde erst Anfang des 19. Jh. wiederentdeckt. Zudem wurden im Jahr 1985 neun Stupas durch einen Terroranschlag von Gegnern des damaligen Diktators Soeharto zerstört.

Prambanan

 

 

 

 

 

Auch vom Aussichtspunkt am Ketep-Pass lässt sich der Merapi nur stückchenweise hinter den Wolken hervorlocken. Deshalb schauen wir uns statt dessen im Vulkan-Theater einen Film über den “Feuerberg” an. Etwas näher am Berg überzeugen wir uns im Vulkanobservatorium von Babadan, dass die derzeitige Aktivität des Merapi einer Besteigung nicht im Wege steht.

Den Mittag verbringen wir in einem kleinen Restaurant mit fantastischem Blick auf die hinduistische Tempelanlage von Prambanan. Im Mittelpunkt der um 850 erbauten Anlage steht der 47 m hohe Shiva-Tempel, der von den Tempeln für die Götter Vishnu und Brahma flankiert wird. Lange Zeit drohte Prambanan zu verfallen, bevor 1918 mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Leider wurden einige Tempel bei dem schweren Erdbeben vom 27. Mai 2006 zerstört. Zusammen mit Borobodur gehört Prambanan seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

BunkerKaliadem

 

 

 

 

 

 

 

Andi bringt uns schließlich noch nach Kaliadem, einem kleinen Dorf am Merapi, das beim letzten Ausbruch des Merapi am 14. Juni 2006 zerstört wurde. Außer Häuserruinen und jeder Menge Schutt erblicken wir auch eine tiefe Kerbe im Hang. Hier rauschte eine pyroklastische Wolke den Berg hinunter und riss alles mit sich, was sich ihr in den Weg stellte. Wir kommen auch an den Überresten des Schutzbunkers vorbei, in dem zwei Menschen während des Ausbruchs Zuflucht suchten. Sie hatten jedoch keine Chance und wurden in der Hitze der Glutwolke regelrecht verbrannt.

Schild für Mbah MaridjanDann hat Andi noch eine große Überraschung für uns. Er erzählt von Mbah Maridjan, dem spirituellen Wächter des Merapi. Mbah Maridjan ist 81 Jahre alt und nicht nur am Merapi, sondern in ganz Indonesien eine Berühmtheit und wird regelrecht verehrt. Als der Merapi 2006 kurz vor dem Ausbruch stand, weigerte sich Mbah Maridjan, sein Haus in Kinahrejo zu verlassen. Viele Einheimische waren sich deshalb sicher, dass ihre Häuser verschont bleiben würden und verweigerten sich der Evakuierung. Tatsächlich ging die Aschelawine dann auch wenige Hundert Meter an Kinahrejo vorbei...

Mbah MaridjanUnd Andi fragt uns nun, ob wir Mbah Maridjan besuchen wollen. Da müssen wir nicht lange überlegen. Wir werden von ihm in seiner Wohnung herzlich empfangen und mit Wasser bewirtet. Dem ausliegenden Gästebuch entnehme ich, das wir heute nicht die ersten Besucher sind. Meine Bitte auf ein Foto lehnt Mbah Maridjan jedoch ab. Ich könne aber gern eines der im Raum von ihm herumhängenden Fotos kaufen. Er ist zwar fotoscheu, winkt in ganz Indonesien jedoch an jeder Ecke von einer Werbetafel. Für ein eine stattliche Summe hat Mbah Maridjan einen Werbevertrag mit einem Hersteller für Energy-Drinks (“KukuBima”) geschlossen. Den Erlös steck er jedoch nicht in seine Tasche, sondern in den Ausbau der örtlichen Moschee und des ganzen Dorfes. So muss ich mich mit seinem Foto aus der Werbung begnügen...

Während ich die Eindrücke des Tages rekapituliere, wird mir bewusst, dass bei allen fantastischen Erlebnissen gerade so eine Begebenheit wie das unverhoffte Treffen mit Mbah Maridjan mir wohl für immer von diesem Urlaub in Erinnerung bleiben wird.

Sonnenaufgang am Merapi

 

 

 

Der Abend ist kurz, denn nach etwas Ruhe im Hotel in Yogya brechen wir schon kurz vor 23 Uhr wieder auf in Richtung Selo am Fuße des Nordhangs des Merapi. Die Müdigkeit steckt noch in uns, als wir gegen 1.30 Uhr in New Selo auf 1.780 m Höhe den Aufstieg beginnen. Die Stirnlampe weist den Weg, der zunächst an Tabakfeldern vorbeiführt. Dann wird der Anstieg immer steiler, aber es geht stetig voran. Gegen 5 Uhr erreichen wir das Plateau auf 2.650 m. Jetzt ist es zwar nicht mehr weit bis zum Gipfel, aber dafür wird es richtig steil.

Schwefelwolken am GipfelZuvor wartet aber noch ein fantastischer Sonnenaufgang auf uns. Wenige Minuten vor dem Sonnenaufgang markiert ein strahlendes blaues Band die Stelle, an der die Sonne wenig später am Horizont auftauchen wird. Die Umgebung des Merapi ist von einem Wolkenteppich bedeckt, aus dem in der Ferne nur der 3.265 m hohe Lawu hervorlugt. Um 6.30 Uhr ist auch der letzte Anstieg geschafft und ich stehe in 2.950 m auf dem Gipfel des Merapi. Hier weht ein eisiger Wind. Dicke Schwefelwolken ziehen den Berg hinauf. Nur der eigentlich Lavadom ist nicht zu sehen, er ist noch etwas hinter dem Gipfel.

Hier oben genieße ich den tollen Ausblick auf den Bruder des Merapi, den Merbabu (3.150 m). Auf der anderen Seite ragen die Vulkane Sumbing (3.396 m) und Sindoro (3.225 m) aus den Wolken. Es ist aber doch arg kalt, so dass wir uns bald auf den Rückweg begeben. Gegen 11 Uhr haben wir wieder New Selo erreicht und eine Erfrischung verdient.

MerbabuSumbing und Sindoro

 

 

 

 

 

 

 

 

Der komplette Trek bei Google Earth:

Merapi Trek.kmz

GPS-Koordinaten (Garmin etrex Vista Cx):

Merapi Trek.gdb

(Hinweis: Der Internet Explorer versucht meistens, die “.kmz”-Datei als “.zip” zu speichern.
In diesem Fall beim Speichern einfach die Erweiterung in “.kmz” ändern oder die Datei nach dem Herunterladen umbenennen.)

Info

MerapiDer Merapi ist ein 2.968 m hoher Stratovulkan und in seiner heutigen Form erst ca. 2.000 Jahre alt. Er ist einer der aktivsten Vulkane Indonesiens und bricht regelmäßig alle 2 - 5 Jahre aus. Die Lava des Merapi ist besonders zähflüssig. Dies führt zu einem ständigen Anwachsen des Lavadoms, der den Schlot wie ein Pfropfen verstopft. Ab einer gewissen Größe bricht der Lavadom jedoch ab und der Vulkan wird regelrecht entkorkt. Dies führt oft zur Freisetzung großer Mengen an Gasen und zum Entstehen von pyroklastischen Strömen (Glutwolken). Bei Regen können sich zudem Lahare (Schlammströme) bilden. Das Gebiet um den Merapi ist sehr dicht besiedelt.

Der Ausbruch des Merapi im Jahr 1994 forderte 66 Menschenleben, über 6.000 Menschen wurden evakuiert. Im Frühjahr 2006 drohte erneut eine große Eruption; 18.000 Menschen wurden vorsorglich evakuiert. Doch der große Ausbruch blieb aus. Statt dessen erschütterte am 27. Mai 2006 ein Erdbeben die Region, über 6.000 Menschen starben.

Links
  • Gunung_Merapi bei Wikipedia
  • Global Volcanism Program - Merapi - Summary (engl.)
  • Merapi, Java, Indonesia bei volcano.oregonstate.edu (engl.)
  • SummitPost - Merapi - Climbing, Hiking & Mountaineering (engl.)
  • indahnesia.com - Volcanoes in Indonesia - Merapi (engl.)
  • Beschreibung einiger aktiver Vulkane von Java: Merapi
  • Fotos vom Merapi 2006 bei volcanodiscovery.com
  • Merapi Sommer 2006 (Fotos)
  • Merapi bei vulkane.net
  • Merapi bei Rainer Albiez (dt./engl.)
  • Merapi, Pyroklastika und Erdbeben: Merapi im Mai 2006
  • Mount Merapi - The Big Picture - Boston.com (faszinierende und schockierende Fotos vom Ausbruch 2010)
  • © 2008 Kay Estler