Nach der anstrengenden Merapi-Besteigung wartet noch am gleichen Tag eine längere Überführungsetappe auf uns. Aber im Jeep kann man sich doch etwas erholen und auf was ich mich bei der Ankunft im tollen Bukit Daun Hotel in Kediri am meisten freue, ist eine Dusche!

Mystery RoadDer Krater des nächsten Vulkans ist zum Glück bequem mit dem Fahrzeug erreichbar. Es geht zum Kelud (oder Kelut), einem der gefährlichsten Vulkane Javas.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Verkehrsschild vorbei, das auf eine vor uns liegende “Mystery Road” hinweist. Angeblich sollen hier in Zeiten erhöhter vulkanischer Aktivität oder verstärkten Magnetismus Fahrzeuge wie von Geisterhand gesteuert den Berg hinaufrollen. Bei uns klappt der Versuch allerdings nicht... Ich stehe dem auch ziemlich skeptisch gegenüber und vermute, dass es sich dabei eher um eines dieser Phänomene handelt, wo die Form der Umgebung die Illusion hervorruft, die Straße würde bergauf führen; tatsächlich geht sie aber bergab.

TunnelUm in das Innere des Kraters zu gelangen, müssen wir zunächst durch einen Tunnel laufen. Das ist schon etwas unheimlich.

Der Kelud ist seit 1926 mit einem  Drainagesystem aus mehreren Tunneln ausgestattet. Denn die Eruptionen des Vulkans mit seinem grünen Kratersee hatten regelmäßig verheerende Schlammlawinen zur Folge. Das Tunnelsystem soll den Wasserspiegel des Sees steuern und im Falle eines Ausbruchs ein kontrolliertes Ablaufen garantieren. An den Hängen des Kelud wurden zudem Schutzwälle errichtet, um die größten Städte und Dörfer vor den Lawinen zu schützen.

Doch als wir das Ende des Tunnels erreichen, erwartet uns dort kein Kratersee, sondern ein Lavadom! Was ist passiert?

KeludIm August und September 2007 wurde am Kelud eine Zunahme der seismischen Aktivität beobachtet. Außerdem registrierte man ein Ansteigen der Temperatur und eine Änderung der chemischen Zusammensetzung des Kratersees. Seine Farbe änderte sich vom typischen Grün nach Gelb und dann ins Bläuliche. Da ein Ausbruch unmittelbar bevorzustehen schien, wurde vorsorglich die Evakuierung von mehr als 100.000 Menschen angeordnet. Am 5. November 2007 erhob sich dann plötzlich ein glühender Lavadom aus dem See. Dieser breitete sich schnell aus und verdrängte den See immer mehr. Die Aktivität des Kelud ließ danach aber deutlich nach. Der Lavadom hat inzwischen jedoch eine Höhe von über 200 m und einen Durchmesser von 400 m erreicht. Sein Volumen beträgt schätzungsweise 35 Mio. m³.

Reste des KraterseesWir spazieren den befestigten Pfad hinunter zum Lavadom, bis uns ein Stacheldrahtzaun den Weg versperrt. Aber zum Glück ist da ein kleines Loch drin... Und so gelangen wir näher an die Lava heran, bis der Weg plötzlich direkt im Lavadom endet. Auf der Oberfläche dampfen einige Schwefelstellen. Über abgekühlte Steine laufen wir weiter nach links, bis wir die Reste des Kratersees erkennen. Viel ist nicht mehr von ihm übrig geblieben. Rauchschwaden ziehen über seine Oberfläche. Ich traue mich aber nicht, noch weiter auf der Lava herumzulaufen und trete den Rückzug an. Statt dessen zieht es mich die vielen Stufen hinauf zum Kraterrand, denn von dort hat man einen tollen Blick auf den gesamten Krater. Unglaublich, vor einem Jahr war da unten noch ein richtiger See und jetzt dieses Lavamonster!

 

Lavadomrauchende Lava

 

 

 

 

 

 

 

Zurück außerhalb des Tunnels beobachten wir einige Affenfamilien, die sich hier niedergelassen haben und hoffen, etwas von unserem Lunchpaket abzubekommen. Unterhalb des Vulkans machen wir noch einen Abstecher zur vulkanologischen Beobachtungstation, in der wir uns ein Video über das Entstehen des Lavadoms ansehen. Den Rest des Tages widmen wir dem großen Pool im Hotel...

Info

Kraterrand von innenDer Kelud ist ein 1.731 m hoher Stratovulkan, in dessen Umkreis mehr als 350.000 Menschen leben. Seit dem Jahr 1000 sind mehr als 30 Eruptionen verzeichnet. Im Jahr 1586 starben 10.000 Menschen, hauptsächlich durch Schlammströme. 1919 forderte derartige Lahare über 5.000 Menschenleben. Beim Ausbruch 1990 wuchs eine Aschesäule bis zu 7 km Höhe, pyroklastische Ströme töteten über 30 Menschen.

Links
  • Kelut bei Wikipedia
  • Global Volcanism Program - Kelut - Summary (engl.)
  • Kelut Volcano, Java bei volcano.oregonstate.edu (engl.)
  • indahnesia.com - Volcanoes in Indonesia - Kelut in central Java (engl.)
  • Kelud volcano bei der Commision of Volcanic Lakes (CVL) (engl.)
  • Crater Lakes of Java: Kelud (engl.)
  • Beschreibung einiger aktiver Vulkane von Java: Kelut
  • Kelud volcano (East-Java) photos (tolle Bilder vom wachsenden Lavadom 2007!)
  • Kelud Lavadom 2008

  • © 2008 Kay Estler