KaffeefabrikUm in den Osten Javas zu gelangen, verlassen wir den Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark in Richtung Probolinggo und fahren an der Nordküste entlang, bis wir bei Situbondo nach Südosten abbiegen. Unser Ziel ist das Catimor Homestay, eine nette Unterkunft auf der Blawan Kaffeeplantage. Dort nutzen wir nach unserer Ankunft die Chance, die Qualitätskontrolle der örtlichen Kaffeefabrik zu besichtigen. Wir erfahren, dass Arabica und vor allem Robusta die populärsten Sorten sind. Etwas ganz besonderes soll jedoch kopi luwak sein, der “Katzenkaffee”. Der Fleckenmustang (eine Art Schleichkatze) ernährt sich u.a. von den Früchten der Kaffeepflanze. Seine Exkremente liefern dann den begehrten Kaffee, der bis zu 1.000 € pro kg kosten kann. Nur 200 kg werden davon jährlich produziert.

Schwefelträger (2)Für uns heißt es, am nächsten Morgen wieder schon gegen 3 Uhr aufzustehen. Denn im Kawah Ijen, dem Krater des Ijen, bildet sich am Vormittag oft Nebel. Deshalb wollen wir früh genug dort sein. Bisher habe ich vom Ijen lediglich gehört, dass er einen säurehaltigen Kratersee enthält und dass dort Schwefel abgebaut wird. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

Schwefelträger (1)

 

 

 

 

Noch im Dunkeln beginnen wir gegen 4:30 Uhr mit dem Aufstieg zum 2.386 m hoch gelegenen Krater. Nach einer Weile kommen uns schon einige Träger entgegen. Die Arbeiter haben zwei mit einer biegsamen Latte verbundene und anscheinend sehr schwere Bastkörbe mit Schwefelbrocken auf ihrem Rücken und laufen ziemlich flink und keuchend den Weg taleinwärts. Das muss eine mörderische Arbeit sein!Kawah Ijen

 

 

 

 

 

 

Als wir nach ca. einer Stunde den Kraterrand erreichen, ist es bereits richtig hell. Uns bietet sich ein toller Blick auf den türkisfarbenen See. An einer Stelle am Ufer steigt eine riesige Dampfwolke nach oben. Hier scheint der Ort zu sein, an dem der Schwefel abgebaut wird. Noch sind zu so früher Stunde nur wenige Touristen unterwegs. Wir beginnen den Abstieg zum Kratersee über steile Felsstufen.

Unterwegs begegnen wir wieder vielen Schwefelträgern. Ab und zu stehen auch Schwefelkörbe am Wegesrand. Die meisten Träger schaffen zwei Touren am Tag, die sie so organisieren, dass sie nach einem Stück Weg ihre Last an der ca. 5 km langen Strecke abstellen, um die nächste Fuhre nachzuholen.

Rohreflüssiger Schwefel

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir gelangen zur Abbaustelle. Ein beißender Schwefelgeruch schlägt uns ins Gesicht. In den Hang sind Rohre getrieben, aus denen tiefroter flüssiger Schwefel fließt. Wenn wir noch etwas früher in der Dunkelheit hier gewesen wären, hätte die Chance bestanden, den Schwefel bläulich schimmernd brennend zu sehen. Den fest werdenden Schwefel brechen die Arbeiter mit einer Stange ab und verpacken ihn in ihre Körbe.

Einige Arbeiter bitten uns um Zigaretten oder Kekse. Zum Glück habe ich noch ein paar Müsliriegel dabei, die ich ihnen zum Tausch für ein noch fast flüssiges Stück Schwefel anbiete. Andere haben aus dem flüssigen Schwefel ein paar Figuren geformt und wollen diese nun verkaufen, um sich etwas dazu zu verdienen. Das ist wieder einer dieser Momente, wo ich mich als Tourist ziemlich mies fühle. Ich renne hier mit zwei Kameras durch die Gegend und die Arbeiter schuften sich unter beinahe unmenschlichen Bedingungen die Seele aus dem Leib.

SäureseeAm Kratersee angelangt, halte ich meine Finger kurz hinein. Das Wasser hat fast Badewannentemperatur. Nach einer Weile fangen meine Finger an zu kribbeln. Eigentlich kein Wunder bei einem Säuresee... Die Felsen am Ufer sind von einer gelben Schwefelschicht überzogen.

Langsam machen wir uns wieder auf den Weg nach oben. Es hat sich eine richtige Menschenschlange aus Trägern und Touristen gebildet, die sich nun den Pfad hinauf- bzw. hinunterbewegt. Einige Touristen benehmen sich leider total daneben. In der Mitte des Weges stehend, fotografieren sie Landschaft und Menschen, ohne auf die Arbeiter zu achten, denen sie den Weg nach oben versperren.

Jetzt zieht auch etwas Nebel auf und wir sind froh, auf unseren Guide Andi gehört zu haben und so früh losgegangen zu sein. Zurück am Ausgangspunkt unserer Wanderung kommen wir auch den dem Punkt vorbei, wo die Arbeiter ihre schwere Last abliefern. Wir beobachten den Prozess des Wiegens und erfahren, dass die Arbeiter bei einer Tour durchschnittlich 60 bis 75 kg auf ihrem Rücken schleppen. Einige sollen sogar bis zu 125 kg tragen. Und das alles für 600 Rupien pro kg, das sind gerade einmal 4 Cent! Das macht dann einen Tageslohn von ungefähr 6 €. Neben der Waage steht ein LKW, auf den der Schwefel verladen wird. 5 Fuhren mit insgesamt 7-8 t bringen die Ladung zu ihren Bestimmungsorten. Der Schwefel findet seine Verwendung in Reifenfabriken und vor allem in Raffinerien beim Bleichen von Zucker.

WaageLastwagen

 

 

 

 

 

 

 


 

Info

Der Ijen-Vulkankomplex besteht aus einer Gruppe von kleinen Stratovulkanen innerhalb einer 16 km großen Caldera. Der Rand der Caldera ist teilweise noch sichtbar, zum Teil aber vom 2.799 m hohen Gunung Merapi und dem 2.386 m hohen Ijen begraben. Größtenteils ist die Caldera heute von Kaffeeplantagen bedeckt. Der Ijen ist in den letzten 200 Jahren mehrfach ausgebrochen. Die meisten Eruptionen waren phreatisch und klein bis moderat (VEI=1-2). Bei einem Ausbruch 1817 kollabierte der Kratersee, Schlammströme zerstörten drei Dörfer.

SchwefelwandDer türkisfarbene Kratersee des Ijen ist 1 km groß und bis zu 200 m tief. Seine Temperatur schwankt um 37° C, der ph-Wert soll teilweise unter 0,5 liegen. Am Südostufer des Sees befindet sich eine Solfatare, an der sich bei Temperaturen bis zu 230° C bis zu 8 m dicke Schwefelbänke abgelagert haben. Das Schwefelgas kondensiert in den in die Solfatare getriebenen Rohren und fließt abgekühlt und geschmolzen in rötlicher Farbe aus ihnen heraus. Die Arbeiter sind den Schwefelgasen ungeschützt ausgesetzt, sie tragen keine Schutzmasken. Wegen der schweren körperlichen Tätigkeit ist es deshalb auch nicht verwunderlich, dass ihre Lebenserwartung weniger als 50 Jahre beträgt. Das Schicksal der Schwefelarbeiter am Ijen ist auch Thema einer Episode in Michael Glawogger’s preisgekröntem Dokumentarfilm Workingman’s Death.

Links
  • Global Volcanism Program - Ijen - Summary (engl.)
  • Ijen bei volcano.oregonstate.edu (engl.)
  • indahnesia.com - Volcanoes in Indonesia - Ijen (engl.)
  • Ijen Volcanic Complex bei Commission of Volcanic Lakes (CVL) (engl.)
  • Beschreibung einiger aktiver Vulkane von Java: Kawa Ijen
  • Ijen bei Wikipedia
  • Kawah Ijen bei photovolcanica.com (engl.)
  • Kawah Ijen by night - Boston.com - The Big Picture (tolle Fotos!)
  • Ijen bei Rainer Albiez (dt./engl.)

  • © 2008 Kay Estler