Nachdem wir am Flughafen in Jakarta von unserem Guide Andi abgeholt wurden und eine Nacht in der Hauptstadt verbracht haben, fahren wir am nächsten Tag an die Westküste Javas. Zu Beginn unserer Tour wartet gleich ein absoluter Höhepunkt auf uns: der Krakatau.
Anak Krakatau
Viel habe ich vorher schon über den legendären Vulkan in der Sunda-Straße zwischen Sumatra und Java gehört, über seinen verheerenden Ausbruch 1883, in dessen Folge 36.000 Menschen starben und der gesamte Vulkan weggesprengt wurde sowie über das plötzliche Erscheinen und Heranwachsen des Kindes (Anak) aus den Fluten im Jahr 1927. Jetzt bin ich natürlich gespannt, ob ich die Gelegenheit haben werde, einen Ausbruch aus nächster Nähe zu beobachten.

Leuchtturm von AnyerWir machen zunächst Rast in Anyer, einem Dorf an der Westküste Javas und klettern die Stufen des örtlichen Leuchtturms hinauf. Der wurde 1885 von den Holländern errichtet, nachdem der alte Leuchtturm durch den vom Ausbruch des Krakatau ausgelösten Tsunami weggefegt wurde. Die alten Fundamente sind noch zu erkennen und ich bekomme zumindest eine ungefähre Vorstellung davon, welche gigantische zerstörerische Kraft der Tsunami gehabt haben muss. Vom Leuchtturm aus ist der 50 km entfernte Krakatau leider nicht zu erkennen. Aber das ist eigentlich auch kein Wunder, denn der Smog von Jakarta reicht bis hierher. Auf dem weiteren Weg nach Carita, dem Ausgangspunkt für die Überfahrt zum Krakatau, besuchen wir noch das vulkanologische Observatorium. Die Aufzeichnungen der letzten Tage geben Anlass zur Hoffnung, den Vulkan von seiner aktiven Seite erleben zu können.Eruption

 

 

 

 

 

 


Ausbruch

 

 

Am nächsten Morgen legen wir mit unserer Crew in einem großen Holzboot ab und nehmen Kurs auf Krakatau. Kurz nachdem einige Delfine um unser Boot herumtollten, taucht auf der linken Seite zunächst Rakata Island auf. Die 813 m hohe Insel ist der letzte verbliebene Rest des ursprünglichen Vulkankomplexes von vor 1883. Nur einen Augenblick später recken sich alle Köpfe nach oben, denn aus der jetzt am Horizont erkennbaren Insel schießt eine Aschesäule in die Luft: der Anak Krakatau.Krater

 

 

 

 

 

 

 

Meine Befürchtung, dass es sich dabei vielleicht nur um einen einzelnen Ausbruch handeln könnte, ist gleich verflogen. Denn auch als wir der Insel näher kommen, spuckt der Anak Krakatau in unregelmäßigen Abständen von 5 bis 30 Minuten seine Asche in die Luft. Wir fahren mit unserem Boot ganz nah bis auf 500 m an die Insel heran, schalten den Motor ab und legen uns auf die Lauer. Ich bin überrascht, wie relativ leise so ein Ausbruch doch vor sich geht. Als nach einem erneuten Ausbruch ganz feine abgekühlte Asche auf uns herabsegelt, bringen wir uns in etwas größere Entfernung.

Boot und VulkanRakata Island

 

 

 

 

 

 

 


StationAndi erklärt uns, dass der Krater, der sich unterhalb des Gipfels befindet und einen Durchmesser von vielleicht 100 m hat, sich noch nicht sehr lange an dieser Stelle befindet. Wir warten noch einige weitere Ausbrüche ab und steuern dann die Insel Rakata an, wo wir in einem kleinen Wäldchen am Strand unsere Zelte aufschlagen. Einen idealeren Platz kann ich mir kaum vorstellen. 5 km vom Vulkan entfernt genießen wir das leckere Abendessen mit frischem Fisch und freiem Blick auf den Anak Krakatau.

Nach einer unruhigen Nacht (die Brandungswellen waren doch ziemlich laut) nehmen wir am Morgen bei strahlendem Sonnenschein wieder Kurs auf den Anak Krakatau und beobachten einige Eruptionen. Anschließend drehen wir eine Runde um die Insel und stellen fest, dass die Rückseite nicht so öde, sondern von einem kleinen Wald bewachsen ist.

 

Am Schild der Nationalparkverwaltung gehen wir schließlich an Land und steigen über ein staubiges Aschefeld zum alten Kraterrand hinauf. Kaum haben wir ihn erreicht und wieder freien Blick auf den Vulkankegel, schießt auch schon wieder ein Aschepilz in die Luft. Ob wir hier, keine 500 m vom Krater entfernt, sicher sind? Wir haben zwar Helme auf, aber ob die im Ernstfall helfen? Eine kleine Messstation ist von Vulkanasche überzogen und die Solarzellen weisen Löcher auf. Hier sind Gesteinsbrocken eingeschlagen. Auch am Boden sind Vertiefungen von Vulkanbomben zu erkennen. Ich frage mich, ob die schon uralt sind oder erst ganz frisch. Hm, der Wind und die viele lose Asche lassen unmöglich eine Schätzung zu. Andi meint, dass der Anak Krakatau im Mai 2008 ziemlich aktiv gewesen ist. Vermutlich wurde die Station dabei zerstört, vielleicht aber auch schon 2007. Als ich noch darüber nachdenke, folgt schon ein nächster Ausbruch. Einige Steine rollen auch vor uns den Hang hinunter. Aber es zeigt sich, dass wir doch in sicherem Abstand auf unserem Hügel stehen. Und so kann ich auch ein kleines Video von einer Eruption drehen.

Unmittelbar neben uns wächst ein kleines Blümchen aus dem Ascheboden. Unglaublich, wie resistent so eine Pflanze ist.

BlümchenEinschlag von einer Vulkanbombe

 

 

 

 

 

 

 

Mächtig eingestaubt, aber voller unvergesslicher Eindrücke steigen wir wieder hinunter zu unserem Boot. Zum Abschied winkt uns der Anak Krakatau noch einmal mit einer mächtigen Rauchfahne zu.

Nach einer Schnorchelpause an einem kleinen Korallenriff bei Rakata Island nehmen wir wieder Kurs auf den Hafen von Carita.

Info

Krakatau - davor und danachDer Krakatau wurde erstmals im Jahr 1602 auf einer holländischen Karte als Pulo Carcata erwähnt. Der Namensursprung ist unklar. Angeblich soll Cacatoua für weiße Papageien stehen. Glaubwürdiger sind die Erklärungsversuche, dass karta-karkata, karkataka oder rakata altjavanische Ausdrücke für “Krebs” oder “Krabbe” sind. Zudem soll ein malaiisches Wort kelakatoe existieren, das “fliegende weiße Ameise” bedeutet. Eine andere Anekdote berichtet davon, dass ein indischer Kapitän einen einheimischen Bootsmann nach dem Namen des spitzen Berges gefragt haben soll und dieser Kaga tau erwiderte, was soviel wie “keine Ahnung” hieß. Mehr darüber findet man in dem fantastischen Buch “Krakatau” von Simon Winchester (s.u.). Die englische Schreibweise “Krakatoa” geht wohl auf einen Schreibfehler zurück, den ein Telegramm nach London enthielt.

Vor seinem Ausbruch im Jahr 1883 bezeichnete Krakatau eine etwa 5 x 9 km große Insel mit drei Vulkanen: Rakata (813 m), Danan (445 m) und Perboewatan (122 m). Diese Insel wiederum ist möglicherweise bei einem Ausbruch des Proto-Krakatau im Jahr 416 oder 535 entstanden, der zur Trennung von Java und Sumatra sowie zu einer langen Kälteperiode führte.

Die Eruption vom 27. Augsut 1883 forderte über 36.000 Menschenleben. 90 % der Toten waren Opfer eines gewaltigen, bis zu 40 m hohen Tsunamis, der auf die Küsten Sumatras und Javas zuraste. Der Knall der Eruption war nachweislich noch auf der 4.700 km entfernten Insel Rodriguez (bei Mauritius) zu hören. Die Asche wurde dabei bis zu 50 km hoch geschleudert, ca. 20 km³ Gesteinsmaterial wurde freigesetzt (VEI=6).

44 Jahre nach dem Verschwinden des Krakatau brach im Jahr 1927 an gleicher Stelle eine neuer Vulkan durch die Meeresoberfläche, der Anak Krakatau (Kind des Krakatau) genannt wurde und seitdem sehr aktiv ist. Er wächst durchschnittlich 4-5 m pro Jahr und hat im Jahr 2008 bereits eine Höhe von über 300 m erreicht.

Literatur
  • Krakatau - Der Tag, an dem die Welt zerbrach. 27. August 1883 von Simon Winchester, Taschenbuch,
       btb-Verlag, 1. Auflage (Juni 2005), 9,50 € oder als gebundene Ausgabe bei Knaus (September 2003), 23,90 €.
  • Links
  • beim AusbruchKrakMon Online CVGHM mit Live Webcam des Anak Krakatau (engl.,
       leider nicht immer online)
  • Krakatau bei Wikipedia
  • Global Volcanism Program - Krakatau - Summary (engl.)
  • Krakatau, Sunda strait bei volcano.oregonstate.edu (engl.)
  • SummitPost - Krakatau - Climbing, Hiking & Mountaineering (engl.)
  • CVO Website - 1883 Eruption of Krakatau Volcano, Indonesia (engl.)
  • Anak Krakatau (Krakatoa) Volcano bei photovolcanica.com (engl.,
       mit tollen Fotos!)
  • Krakatau volcano photos bei volcanodiscovery.com (engl.)
  • indahnesia.com - Volcanoes in Indonesia - Krakatau (engl.)
  • Krakatau und Anak Krakatau, Chronik einer Vulkankatastrophe
  • Der Krakatau - Thomas Sävert Naturgewalten
  • Beschreibung einiger aktiver Vulkane von Java: Krakatau
  • Krakatau Eruption 2008 (Fotos)
  • Were the Dark Ages Triggered by Volcano-Related Climate Changes
      
    in the 6th Century? (engl.)
  • Near and Far-Field Effects of Tsunamis Generated by the Paroxysmal
      
    Eruptions, Caldera Collapses and Massive Slope Failures of the
      
    Krakatau Volcano in Indonesia on August 26-27, 1883 (engl.)
  • The Great Tsunami of August 26, 1883 from the Explosion of the
      
    Krakatau Volcano in Indonesia (engl.)
  • How Volcanoes Work - Krakatau, Indonesia (engl.)
  • SwissEduc: Stromboli Online - Anak Krakatau
  • PBS: Wild Indonesia (engl.)
  • Naturgewalten - Erinnerungen für die Zukunft

  • © 2008 Kay Estler