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Waikiki Beach und Diamond HeadDer Flug von Kona nach Honolulu mit go!Mokulele dauert gerade mal 40 min. Aber was ist das jetzt für ein krasser Gegensatz! Nach drei eher ruhigen und entspannenden Wochen auf Maui, Kauai und Big Island begegnet uns nun die Hektik einer amerikanischen Großstadt. Etwas unsicher bewegen wir uns mit dem Mietwagen über den Nimitz Highway zu unserem Hotel Richtung Waikiki.

In der Stadt wimmelt es nur so von Japanern. Kein Wunder, schließlich steht der Hawaii-Marathon an. Und der gilt als einer der größten japanischen Volksläufe. Denn von dessen regelmäßig 20.000 Teilnehmern stammen ca. 2/3 aus dem Land der aufgehenden Sonne. Ich habe mich für den 10 km Race Day Walk angemeldet; man muss es ja nicht gleich übertreiben... Im Rahmen der Veranstaltung besuchen wir das Konzert von Jake Shimabukuro, eines der bekanntesten Ukulelespieler Hawaiis. Seine Musik ist eine Mischung aus Jazz, Rock und Pop.

Pipeline MastersAls wir noch auf Big Island weilten, hatten wir es schon in den Nachrichten gehört: “The Eddie is On!”. Jedes Jahr von Anfang Dezember bis Ende Februar versammeln sich in Waimea Bay die 28 besten Big Wave Rider der Welt, um auf DIE große Welle zu warten, damit das Quiksilver Big Wave Invitational zu Ehren von Eddie Aikau stattfinden kann. Eddie Aikau war ein berühmter Surfer und Rettungsschwimmer, dessen tragische Geschichte einen regelrechten Mythos begründete. “The Eddie” findet nur statt, wenn die Wellen eine Mindesthöhe von 9 m erreichen, was zuletzt 2004 der Fall war. Und jetzt 2009! Gebannt verfolgten wir im Fernsehen, wie sich Greg Long bei 12 m hohen Wellen den Titel schnappte.

Duke Kahanamoku Statue

 

 


Nun, ganze fünf Tage später, liegt die Waimea Bay wie ein flacher Teppich vor uns. Von Monsterwellen ist nichts mehr zu sehen. Nur ein paar Meilen weiter, in Banzai Pipeline, findet aber das Billabong Pipeline Masters statt. Wir suchen uns in der Zuschauermenge einen Platz am Strand und kommen aus dem Staunen kaum heraus, wie sich Kelly Slater und seine Freunde die Wellenberge hinunter stürzen, dann rein in die Röhren der sich brechenden Wellen brausen und meistens heil am anderen Ende wieder rauskommen.

Wellenreiten war in Hawaii schon lange ein Volkssport, wurde aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Nicht zuletzt Duke Kahanamoku, der auch The Big Kahuna genannt wurde, war dafür verantwortlich. Er war nicht nur ein begnadeter Surfer, sondern auch Olympiasieger im Schwimmen und verschaffte dem Surfsport ungeahnte Popularität. Die ihm zu Ehren errichtete Statue am Strand von Waikiki wird häufig mit Lei, dem in Hawaii üblichen Blütenkränzen, geschmückt.

Der Abend gehört dem Basketball. Im großen Stan Sheriff Center verlieren sich jedoch maximal 2.000 Zuschauer, die mit uns den 83:56 Sieg der Rainbow Warriors gegen Chicago State verfolgen.
 

MarathonChristmas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Royal Hawaiian HotelDie Nacht ist kurz, denn der Marathon startet mit einem großen Feuerwerk bereits gegen 5 Uhr am Morgen. Ich habe noch etwas Zeit, denn der Race Day Walk startet erst 20 min später. Der Lauf im Dunkeln hat aber auch seinen Reiz. Einige Geschäfte sind illuminiert und es ist schon etwas unwirklich, an weihnachtlich geschmückten Schneemannfiguren mit Surfbrettern vorbeizulaufen. Ich schaffe die 10 km, um pünktlich den Zieleinlauf der Profis zu verfolgen. Der letzte Läufer wird das Ziel erst am Abend nach mehr als 14 h erreichen...

Den besten Blick auf Waikiki hat man sicher vom Diamond Head, Das Überbleibsel eines alten Vulkans ist so etwas wie das Wahrzeichen von Honolulu. Der Aufstieg ist bei der großen Hitze schon etwas anstrengend. Unterwegs begegnen uns immer wieder Japaner mit gelben T-Shirts, die sie als Finisher der Honolulu-Marathons ausweisen. Nun kann ich Japaner sowieso nur schwer auseinanderhalten, aber jetzt haben sie auch noch alle das gleiche an...

Iolani PalaceZum Glück bleibt auch noch Zeit für Downtown Honolulu, denn hier kann man noch etwas von der Geschichte Hawaii’s als Königreich spüren. Wir starten mit einem Rundgang durch Chinatown, um dann über den Aloha Tower zum Iolani Palace zu laufen. Hier residierten die hawaiianischen Könige, zuletzt Königin Lili’uokalani, bevor sie 1893 von einer Gruppe amerikanischer Geschäftsleute unter Führung des Bananen-Barons Sanford Dole entmachtet wurde. Sie ist jedoch nach wie vor sehr beliebt, was wohl auch daran liegt, dass sie eine Reihe Lieder komponiert hat. Das bekannteste kennt wohl jeder, es ist die Hymne Aloha Oe.

Direkt vor dem Hawaii Sate Capitol steht die Statue für Vater Damian. Der 1840 als Jozef de Veuster in Belgien geborene Priester wurde durch sein Wirken in der Leprakolonie der Insel Molokai berühmt. Er ist inzwischen der Schutzpatron der Leprakranken und wurde vom Papst heilig gesprochen.

Vor Ali’iolani Hale, dem heutigen Obersten Gerichtshof Hawaii’s, steht eine Statue von König Kamehameha I., die eine ganz besondere Geschichte hat, die man hier nachlesen kann (engl.).

Arizona MemorialFür uns stand von Anfang an fest, dass wir Honolulu mit dem Besuch des benachbarten Pearl Harbor verbinden. Zum Glück ist der Andrang nicht so groß, so dass wir nach Erhalt unseres kostenlosen Tickets für das USS Arizona Memorial nicht lange warten müssen. Die Tour beginnt mit einem Film über den Angriff vom 07.12.1941. Und ich bin schon positiv überrascht, dass der Film nicht nur Patriotismus pur ist, sondern offen auch mit eigenen Fehlern umgeht. Dann setzen wir mit einer Fähre zu dem 1962 errichteten Schrein über, der sich 56 m quer über den mittleren Teil der USS Arizona spannt. 1.177 der 1.400 Mann Besatzung fanden damals den Tod. Aus dem nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche befindlichen Wrack läuft gelegentlich immer noch Öl aus. Bevor wird der USS Bowfin einen Besuch abstatten, fahren wir mit einem Shuttlebus hinüber nach Ford Island. An der Gedenkstätte für die Opfer der USS Oklahoma (429 Tote) dürfen wir kurz fotografieren; aussteigen geht jedoch nicht. Ford Island ist immer noch Militärstützpunkt. Im Pacific Aviation Museum können wir viele Flugzeuge bewundern, die im 2. Weltkrieg im Kampf um den Pazifik zum Einsatz kamen. Leider befindet sich die USS Missouri, auf der Japan seine Kapitulation unterzeichnete, bei unserem Besuch gerade zur Restauration im Trockendock. Aber auch so sind die Eindrücke intensiver und realistischer, als sie uns Hollywood im Schmachtfetzen Pearl Harbour vermitteln konnte und wollte.

Mit einem Abendspaziergang am erleuchteten Strand von Waikiki geht leider auch dieser Urlaub zu Ende. Über Vancouver geht es zurück in die vorweihnachtliche Kälte Deutschlands.
Eddie Would Go

Info

Literatur
  • Eddie Would Go: The Story of Eddie Aikau, Hawaiian Hero von Stuart Holmes Coleman (2004)


© 2010 Kay Estler