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Sämtliche Reiseführer, die ich in die Hand bekam, schwärmten von dem unvergleichlichen Erlebnis des Sonnenaufgangs auf dem Haleakala. Da allein die Auffahrt zum Gipfel fast 2 h dauert, die Sonne im November gegen 6:30 Uhr aufgeht und in den letzten Tagen oft Wolken den Vulkan verdeckten, entscheiden wir uns dann doch lieber für etwas längeren Schlaf.

Kegel des Ka Lu’u o ka O’oFarbspiel am Ka Lu’u o ka O’o

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haleakala KraterTrotzdem brechen wir relativ früh am Morgen auf und schlängeln uns die Serpentinen zum Gipfel empor. Die Luft wird merklich dünner und wir können schon auf den letzten Abschnitten immer mal wieder einen Blick in den Krater werfen. Obwohl, so ein richtiger Krater ist das ja gar nicht (s.u.). Dann taucht Science City vor uns auf, ein großer astrophysikalischer Komplex mit mehreren Observatorien. So richtig nah kommen wir allerdings nicht ran, denn hier werden nicht nur die Sonnenflecken studiert. Einige der Teleskope werden vom amerikanischen Verteidigungs-ministerium betrieben und waren Bestandteil des SDI-Projekts.

Nach einem kurzen Besuch des Visitor Centers und einem Blick in den Krater vom Red Hill Overlook beginnen wir mit dem Abstieg auf dem Sliding Sands Trail. Der Blick ist faszinierend. Aschekegel schmücken eine Landschaft, die unwillkürlich den Eindruck vermittelt, auf dem Mond zu sein.

HaleakalaAuf unserem Weg zum Kegel des Ka Lu’u o ka O’o kommen wir immer wieder an verblühten Silberschwertern vorbei, imposanten, bis zu 1,50 m hohen Pflanzen, die fast nur hier zu finden sind. Am Aschekegel angekommen, variieren die Farben des Bodens zwischen gelb, rot und schwarz. So intensiv habe ich das bisher noch nirgends wahrgenommen.

So langsam ziehen immer mehr Wolken in den Krater und es fängt an zu nieseln. Bevor wir noch vollends von Nebel umhüllt werden, treten wir deshalb am späten Vormittag lieber wieder den Weg nach oben an.

Was wäre ein Besuch auf Maui ohne eine Fahrt auf der legendären Road to Hana? Nur ein paar Meilen hinter Kahului zieht uns die Ho’okipa Beach in ihren Bann. In der malerischen Bucht brechen gigantische Wellen, die im Moment so groß sind, dass sich offenbar kein Surfer ins Wasser wagt.

HookipaAn der Nordküste Mauis entlang bewegen wir uns immer weiter gen Osten. Ein Abstecher zu den Twin Falls verläuft nicht so erfolgreich: der Weg ist sehr nass und schlammig. Der Blick auf den Wasserfall ist dann auch ziemlich eingeschränkt. Die Waikamoi Falls weiter östlich bekommen wir erst gar nicht zu Gesicht. Statt dessen wird die kurze Wanderung auf einem Naturpfad zu einer regelrechten Rutschpartie. Spätestens ab jetzt wird die Straße immer schmaler und kurviger. An den vielen engen Brücken müssen wir immer wieder auf den Gegenverkehr achten. Schließlich erreichen wir unser relativ unspektakuläres Zwischenziel Hana. Hier halten wir uns deshalb nicht lange auf. Wir wollen die Strecke nicht zurückfahren, sondern die Runde auf dem teilweise nicht asphaltierten südlichen Piilani Hwy vollenden. Dabei passieren wir zunächst die 25 m hohen Wailua Falls. Bei Kipahulu haben wir den südlichen Teil des Haleakala National Park erreicht. Hier wollen wir etwas wandern.

Waimoku FallsPipiwai Falls

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz in der Nähe des Parkplatzes des Visitor Centers laden die Seven Pools des Oheo Gulch zum Baden ein. Oberhalb der Brücke über den Oheo Stream beginnt der Pipiwai Trail. Es geht langsam bergauf und wir erreichen schon bald einen Aussichtspunkt, der uns einen Blick auf die 55 m hohen Makahiku Falls eröffnet. Etwas später überqueren wir eine Brücke mit Blick auf die Kaskaden der Pipiwai Falls. Ein gut ausgebauter Weg führt uns nun in einen Bambuswald. Das Klappern der Stangen und die relative Dunkelheit lassen eine fast schon mystische Stimmung aufkommen. Kurz vor der Überquerung des Pipiwai Stream erblicken wir das schmale weiße Band der 120 m hohen Waimoku Falls schon aus der Ferne. Die Dusche im kleinen Pool unter dem Wasserfall ist übrigens nicht zu empfehlen, denn von der steilen Felswand können immer wieder Steine herunterfallen. Eine reichliche Stunde später haben wir wieder den Parkplatz erreicht. Das war eine richtig schöne dreistündige Wanderung!

Grab von Charles LindberghWir hatten gelesen, dass der große Atlantiküberquerer Charles Lindbergh in Kipahulu begraben ist und wollen deshalb seine Grabstätte besuchen. Wir merken aber schnell, dass sich Lindbergh’s Wunsch nach Abgeschiedenheit in seinen letzten Lebensjahren wohl auch auf seine Ruhestätte ausgewirkt hat. Wir suchen sie zunächst vergeblich in der Nähe der St. Paul’s Church am Highway. Das GPS bestätigt uns, dass wir nicht weit entfernt sind. Es dauert jedoch noch lange, bis wir etwa 500 m weiter westlich den schmalen Weg zur Palapala Ho’omau Congregational Church finden. Die Kirche liegt idyllisch und das Grab finden wir dann auch noch. Die Inschrift auf dem Grabstein stammt aus Psalm 139: “Erhöbe ich die Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen.”

 

An der südlichen Flanke des Haleakala quälen wir uns über fünf Meilen Schotterstraße bei Kaupo. Der Blick auf das Vulkanmassiv und das Meer entschädigen jedoch für die Holperstrecke. Am frühen Abend haben wir unsere Runde um den Haleakala dann vollendet.

Info

Der Haleakala ist ein 3.055 m hoher Schildvulkan, der 75 % der Fläche Mauis einnimmt. Sein Name bedeutet so viel wie “Haus der Sonne”, da hier der Sage nach der Halbgott Maui die Sonne eingefangen haben soll. Sein letzter Ausbruch wurde anhand von Kartenvergleichen auf 1790 datiert. Neuere Radiokarbon-Untersuchungen lassen jedoch darauf schließen, dass seine letzte Aktivität doch schon etwa 500 Jahre her ist. Der Haleakala war einst über 3.600 m hoch, bevor Wassererosion zwei große Flusstäler auswusch, die sich schließlich vereinigten. Das Ergebnis ist eine 11,25 km lange, 3,2 km breite und 800 m tiefe Depression, die im technischen Sinne kein richtiger Krater ist.

Der Haleakala National Park war seit 1916 ein Teil des Hawaii National Park und ist seit 1961 selbständiger Nationalpark.

Die Road to Hana ist eine 84 km lange Straße, die von Kahului an der Nordküste Mauis in östlicher Richtung bis nach Hana führt. Dabei passiert man 620 Kurven und 54 Brücken, von denen die meisten einspurig zu befahren sind.


© 2010 Kay Estler